Theater Stadthalle

Liebe Theater- und Musikfreunde,

die vergangenen zweieinhalb Jahre haben unser Leben in vielfacher Weise und sehr heftig durcheinandergeschüttelt; Krisen und Katastrophen, ja sogar ein für undenkbar gehaltener Krieg Mitten in Europa haben ihre Spuren hinterlassen und führen zu Ängsten und Sorgen, wie es mit unserer Gesellschaft, ja mit der Welt als Ganzes weitergehen wird.

Auch im Theater hat all dies seine Spuren hinterlassen: Absagen und Verschiebungen, Maskenpflicht und Abstandsregeln, Sorge um die Gesundheit und Rückzug ins Private haben die beiden letzten Jahre geprägt. Doch bei aller Unsicherheit, was die kommenden Monate bringen werden, gilt es jetzt den Widrigkeiten dieser Zeit zu trotzen und die sinnstiftende Kraft der Kunst neu zu entdecken. Musik und Theater sind Balsam für die Seele und können gerade in Zeiten wie diesen ihren Beitrag dazu leisten, dass im gemeinsamen Erleben unsere lebendige Bürgergesellschaft bewahrt wird und nicht in Apathie verfällt.

Ich freue mich, dass wir mit einem entzerrten Saalplan, dafür aber wieder kompletten Spielplan in die kommende Saison gehen können. Komödien, Dramen und musikalische Stücke garantieren eine abwechslungsreiche und spannende Spielzeit 2022/23. Dazu tragen bekannte, mit dem Grimme-Preis und dem Deutschen Fernsehpreis ausgezeichnet Schauspieler wie Jörg Schüttauf oder Jürgen Tarrach bei, aber auch weniger bekannte, wie etwa Maria Hartmann, die für ihre Rolle in „Dinge, die ich sicher weiß“ den Hamburger Theaterpreis verliehen bekam. Und wie im richtigen Leben ist es das Heitere und Ernste, das Leichte und Schwere, das die richtige Mischung ausmacht: Mit Stücken von Bert Brecht bis Lutz Hübner, in denen gesellschaftliche und Beziehungskonflikte auf zugespitzte, aber kluge Weise auf die Bühne gebracht werden, so dass Erkenntnis und Unterhaltung eine Verbindung eingehen.

Ich wünsche Ihnen viel Vergnügen und Freude in der Saison 2022/23,
Ihr

Andreas Ruess

Programm Spielzeit 2022/23

Samstag, 24. September 2022 - Herr Puntila und sein Knecht Matti

Samstag, 24.9. 2022, 19.30 Uhr, Stadthalle
Herr Puntila und sein Knecht Matti
Volksstück von Bertolt Brecht
Badische Landesbühne Bruchsal
Regie: Carsten Ramm

Herr Puntila ist ein armer Mann. Denn obschon er gesegnet ist mit irdischen Gütern, fehlt dem Gutsbesitzer das Wichtigste: Seele und Herz. Nur wenn er betrunken ist, wird er zum Menschen. In seinen Anfällen „grauenvoller Nüchternheit“ aber ist er bösartig und tückisch, ein blutsaugerischer Kapitalist, der mit allen seine üblen Machtspielchen spielt.
Sein Gegenpol, der schlitzohrige Matti, zeigt Puntila aber, wo Bartel den Most holt. Er weiß geschickt seine eigene Position zu wahren, stellt Puntila immer wieder in Frage, entlarvt dessen vorgebliche Liebe zu seinem Land als Patriotismus eines Despoten und deckt damit die Schizophrenie der herrschenden Verhältnisse auf.
Die Badische Landesbühne inszeniert Brechts gesellschaftskritische Satire über einen reichen Gutsbesitzer, der seine Tochter mit einem Aristokraten verheiraten will, aber dann doch in seinem Chauffeur Matti den rechten Schwiegersohn sieht, als berauschende Komödie mit Live-Musik.
1940 im finnischen Exil geschrieben, eröffnete Brecht mit dem „Puntila“ 1949 das von ihm gegründete Berliner Ensemble. Neben der „Dreigroschenoper“ zählt die Komödie zu den meistgespielten Brechtstücken weltweit.


Foto: Sonja Ramm
Foto: Sonja Ramm
 

Samstag, 15. Oktober 2022 - Paul Abraham - Operettenkönig von Berlin

Samstag, 15.10. 2022, 19.30 Uhr, Stadthalle
Paul Abraham – Operettenkönig von Berlin
Stück mit Musik von Dirk Heidicke
Kammerspiele Magdeburg
Regie: Klaus Noack

Mit Jörg Schüttauf, Susanne Bard,
Jens-Uwe Günther (Klavier)

Berlin, Wien, Paris, Casablanca, Havanna, New York – die Lebensstationen Paul Abrahams lesen sich so exotisch wie die Schauplätze einer seiner Erfolgs-Operetten (u.a. Ball im Savoy, Viktoria und ihr Husar, Blume von Hawaii), mit denen er zu Beginn der 1930er Jahre für Furore sorgte. Doch das Leben des genialen Komponisten verläuft nur bis zum Januar 1933 operettenhaft – mit der Machtergreifung der Nationalsozialisten verwandelte es sich in eine Tragödie: Er darf sein Theater nicht mehr betreten und emigriert schließlich in die USA. Eben noch bejubelt, verlässt ihn im Exil der Verstand und er lebt in psychiatrischer Obhut. Seine zahlreichen unveröffentlichten Werke, die er daheim seinem Freund Josef anvertraut hatte, verscherbelt dieser an reiche Deutsche. Abraham stirbt in Armut.
Das Stück erinnert an den großartigen Star der Operettenwelt, der von den Nazis verjagt und fast vergessen wurde. Es schildert, wie er in den 50er Jahren aus dem Exil zurück nach Berlin kommt und sich an seine große Zeit in den 1930ern erinnert.
Mit TV-Star Jörg Schüttauf (bekannt als „Tatort“-Kommissar Fritz Dellwo, ausgezeichnet u.a. mit den Dt. Schauspielpreis und Grimme-Preis), Susanne Bard und dem Pianisten Jens-Uwe Günther ist das Stück hervorragend besetzt.





Foto: Bo Lahola
Foto: Bo Lahola
 

Sonntag, 27. November 2022 - Und wer nimmt den Hund?

Sonntag, 27.11. 2022, 19.30 Uhr, Stadthalle
Und wer nimmt den Hund?
Tragikomödie von Martin Rauhaus/Marcus Grube
Württembergische Landesbühne Esslingen
Regie: Kathrin Sievers
Bühnenfassung: Marcus Grube

Mit Sabine Bräuning, Christin Göpfert, Lara Haucke, Antonio Lallo, Oliver Moumouris, Elif Veyisoglu

Doris und Georg wollen sich scheiden lassen. Nach über 20 gemeinsamen Jahren und zwei erwachsenen Kindern hat sich Georg in die junge Laura verliebt. In einer Trennungsphase sollen nun die beiden ihre guten wie schlechten Zeiten Revue passieren lassen. Georg passt das nicht in den Kram, und auch Doris spielt nicht immer mit fairen Mitteln. Als Laura dann noch Georg verlässt, ist das Chaos perfekt…
Der Witz und besondere Charme dieser Komödie besteht darin, wie Szene für Szene die Vernunft als das am wenigsten taugliche Instrument zur Lösung von Beziehungsproblemen vorgeführt wird. Das Publikum darf sich am Gefälle zwischen der erhofften problemfreien Trennung und den sich unvermutet meldenden Gefühlsverwirrungen des Paares ergötzen. Im Wechsel von pointierten und nachdenklichen Dialogen entsteht so eine Boulevardkomödie vom Feinsten, bei der man die beiden Hauptfiguren hautnah bei der unbarmherzigen Zerstörung ihrer Beziehung und ihrem unberechenbaren Wiederaufbau erlebt.



Foto: Björn Klein
Foto: Björn Klein
 

Donnerstag, 15. Dezember 2022 - 4000 Tage

Donnerstag, 15.12. 2022, 19.30 Uhr, Stadthalle
4000 Tage
Eine ernste Komödie von Peter Quilter
Landgraf
Regie: Boris Aljinovic

Mit Matthias Happach, Mathias Herrmann, Mona Seefried

Seit drei Wochen liegt Michael im Koma. Am Bett wacht nicht nur seine Mutter Carola, sondern auch sein Lebensgefährte Paul; beide sind sich in den letzten Jahren aus abgrundtiefer gegenseitiger Abneigung aus dem Weg gegangen. Als Michael aus dem Koma erwacht, hat er sämtliche Erinnerungen an die letzten elf Jahre verloren: Genau die 4000 Tage, in denen er mit Paul zusammengelebt und sich von seiner Mutter entfernt hat. Für Michael ist es so, als ob die Beziehung zu seinem Partner niemals existiert hätte.
Es beginnt ein Kampf um die Deutungshoheit über die verloren gegangene Zeit: Während Paul alles daransetzt, dem Gedächtnis seines Partners mit Hilfe von Fotos und Zeitungsartikeln auf die Sprünge zu helfen, versucht Carola, das Rad der Zeit zurückzudrehen. Paul zeichnet das Bild einer liebevollen, wunderbaren Partnerschaft. Carola sieht das ganz anders und wittert nun die Chance, Paul auszubooten und Michael wieder für sich zu gewinnen. Doch was passiert, wenn Michaels Erinnerungen zurückkommen?
Ein anrührendes Stück, in dem es um Liebe, Glück, Vertrauen, Einsamkeit und letztendlich auch um die Frage nach dem Lebenssinn geht.



Foto: Tom Philippi
Foto: Tom Philippi
 

Freitag, 20. Januar 2023 - Fehler im System

Freitag, 20.1. 2023, 19.30 Uhr, Stadthalle
Fehler im System
Zukunftsweisende Komödie von Volker Braband
Thespiskarren / Schlosspark Theater Berlin
Regie: Folke Braband

Mit Jürgen Tarrach, Jantje Billker, Tommaso Cacciapuoti, Guido Hammesfahr

Als hätte Emma nicht schon genug Probleme: Ihr Vater steckt mitten in einer Geschlechtsumwandlung, ihren Freund Oliver hat sie vor die Tür gesetzt … Doch nun steht er wieder da und sondert monotone Begrüßungsfloskeln ab: „Oliver Vierpunktnull. Hallo. Guten Tag.“
Bald ist klar, dass Oliver 4.0 eine künstliche Intelligenz ist, ein menschenähnlicher Computer, der über die Agentur Partnercook.com als Haushaltsroboter für Emma ermittelt wurde und nun auf der Flucht vor dem Roboterfänger ist. Im Laufe des Geschehens entwickelt die virtuelle Haushaltshilfe ungeahnte Fähigkeiten, nimmt zusehends menschliche Züge an und erweist sich nicht nur als optische Kopie, sondern auch als perfekter Ersatz für den echten Oliver. Es funkt zwischen Emma und dem künstlichen Oliver. Doch was passiert, wenn ein Roboter plötzlich die Liebe entdeckt? Und welche Auswirkungen hat wohl ein noch so kleiner Fehler im System?

Komödienspezialist Folke Braband und seine muntere Schauspiel-Riege mit Jürgen Tarrach (Dt. Fernsehpreis und Adolf-Grimme-Preis) an der Spitze bringen in dieser Satire mit viel Situationskomik sperrige Themen wie KI und Transsexualität so leichtfüßig auf die Bühne, dass sich Unterhaltung und Erkenntnis zu einem hintersinnigen Vergnügen verschmelzen.


Foto: Urbschat Derdehmel
Foto: Urbschat Derdehmel
 

Freitag, 10. Februar 2023 - Dinge, die ich sicher weiß

Freitag, 10.2. 2023, 19.30 Uhr, Stadthalle
Dinge, die ich sicher weiß
Schauspiel von Andrew Bovell
Thespiskarren / Ernst Deutsch Theater Hamburg
Regie: Adelheid Müther

Mit Christoph Tomanek, Nina Petri, Maria Hartmann, Rune Jürgensen, Maximilian von Mühlen, Roxana Safarabadi

Ein Glücksfall für das Theater ist dieses humorvoll melancholische Stück, in dem jedes Wort an der richtigen Stelle steht: Kein Satz zu viel, kein Wort zu wenig. Es erzählt die Geschichte einer Familie mit vier erwachsenen Kindern, ihre Krisen, Konflikte und Leichen im Keller, die da Loslösung, Trennung Kriminalität oder Geschlechtsumwandlung heißen. Eine Familie, wie so viele, die lachen und trauern, sich streiten und versöhnen kann, in der aber einander auch vieles verschwiegen wird.
Autor Andrew Bovell: „Das Stück entfaltet sich anhand der vier Jahreszeiten, in denen je eines der erwachsenen Kinder eine Identitätskrise erlebt. Der Akzent des Stückes liegt dabei nicht so sehr auf diesen vier Krisen, sondern auf den Auswirkungen, die sie für die Eltern Bob und Fran haben – und wie jede der Krisen ihre Wertvorstellungen aufreibt und sie zwingt das Leben in Frage zu stellen, für das sie so hart gearbeitet haben.“
Bovell, der 2010 mit dem Stück „Das Ende des Regens“ international bekannt werde, zeigt auf eindrückliche Weise, was Kinder und Eltern trennt und was sie zusammenhält – nie sentimental, aber mit liebevoller Sachlichkeit und großer Bühnenwirksamkeit.
Maria Hartmann wurde für ihre Rolle der Mutter als herausragende Darstellerin mit dem Hamburger Theaterpreis ausgezeichnet.




Foto: Oliver Fantitsch
Foto: Oliver Fantitsch
 

Samstag, 25. März 2023 - Die Wahrheiten

Samstag, 25.3. 2023, 19.30 Uhr, Stadthalle
Die Wahrheiten
Stück von Lutz Hübner und Sarah Nemitz
Metropoltheater München
Regie: Jochen Schölch

Mit Michele Cuciuffo, Katharina Müller-Elmau, Leo Reisinger, Mara Widmann

Seit 17 Jahren sind Bruno und Sonja mit Erik und Jana befreundet, doch aus heiterem Himmel brechen Erik und Jana per SMS den Kontakt ab. Nun kommen unausgesprochene Verletzungen ans Licht: Bruno hat Janas Studium finanziert und das Paar in Erbschaftsangelegenheiten beraten. Nun fühlt er sich gedemütigt und abserviert. Und Sonja fürchtet, sie habe ihre Freundin Jana verstört, als sie ihr ein intimes Geheimnis über ihr Leben mit Bruno beichtete. Dass für Jana vor allem Bruno und ein Übergriff bei einem durch ihn vermittelten Coaching-Seminar für Führungskräfte der Auslöser ist, ahnt zu diesem Zeitpunkt noch niemand. Denn die Geschichte, die alle kennen, ist nur die halbe Wahrheit. Und einmal in Gang gesetzt, kommen bei der Suche immer weitere Wahrheiten ans Licht …
„Die Wahrheiten“ ist ein Stück über Machtstrukturen und -missbrauch zwischen den Geschlechtern, und zwar genau dort, wo sie am häufigsten sind: in der Paarbeziehung. Lutz Hübner und Sarah Nemitz legen ihre Figuren unter das Brennglas und fächern Schicht um Schicht eingeschliffene Dynamiken, festgewachsene Stereotypen und zwischenmenschliche Kommunikationsdefizite auf. Sie lenken den Blick auf „unverantwortliche Wahrheiten“, die man dem anderen lieber verschweigt, die aber mit Wucht dazu führen, dass sich alles grundlegend ändert.
Das Metropoltheater ist ein vielfach ausgezeichnetes freies Theater aus München (u.a. Bayerischer Theaterpreis), das regelmäßig mit den Freilichtspielen Schwäbisch Hall kooperiert. 2022 ist es mit dem Stück „Die Wahrheiten“ zu den Deutschen Privattheatertagen in Hamburg eingeladen sowie für den Monica-Bleibtreu-Preis nominiert.
Lutz Hübner und Sarah Nemetz zählen zu den erfolgreichsten deutschsprachigen Theaterautoren (u.a. „Frau Müller muss weg“).


Foto: Jean-Marc Turmes
Foto: Jean-Marc Turmes
 

Samstag, 6. Mai 2023 - Acht Frauen

Samstag, 6.5. 2023, 19.30 Uhr, Stadthalle
Acht Frauen
Kriminalkomödie von Robert Thomas mit Musik
Theaterlust
Regie: Thomas Luft

Mit Anja Klawun, Anuschka Tochtermann, Christa Pillmann, Dagny Dewath, Eva Wittenzellner, Gabriele Graf, Marget Flach, Nathalie Schott

Weihnachten in einer abgelegenen Villa. Eine wohlhabende Familie kommt zusammen, um das Fest zu feiern. Sieben Frauen, die achte erscheint unerwartet, nachdem der Hausherr tot aufgefunden wird. Grausam ermordet, ein Messer steckt in seinem Rücken. Tot sind auch Telefon und Autos; der Schnee liegt meterhoch, man ist von der Außenwelt abgeschnitten. Eine fatale Situation. Panik kommt auf. Ist der Mörder vielleicht noch im Haus? Dazu Misstrauen, Verdächtigungen. Denn eines wird schnell klar: In diesem Fall muss der Mörder eine Mörderin sein! Keine der Damen hat ein Alibi, alle haben ein Motiv, jede ein Geheimnis, jede verstrickt sich im Lauf der aberwitzigen Geschichte mehr und mehr in einem Netz aus Lügen und Heimlichkeiten. Acht Leidenschaften mit ihren aufgestauten Lebensträumen, Frustrationen und Verletzungen prallen auf- und gegeneinander.
Dem französischen Autor Robert Thomas gelang 1961 mit seinen HUIT FEMMES ein großer Hit. Mit feiner Ironie karikiert er die bourgeoisen Verhältnisse der 1950er Jahre und spielt lustvoll mit den Rollenbildern dieser Zeit. Eine Mischung aus Kriminalstück, Komödie und Psychodrama mit viel Musik, die 2001 erfolgreich verfilmt wurde.

Foto: Hermann Posch
Foto: Hermann Posch
 

Eine kleine Saulgauer Theatergeschichte

2019 - 60 Jahre Stadthalle

Nach heftigen kommunalpolitischen Diskussionen im Vorfeld und erheblichen Schwierigkeiten, die einen mehrjährigen Baustopp beinhalteten, wurde am 21. November 1959, die neue Saulgauer Stadthalle in der Schützenstraße eröffnet. Zunächst für den Sportbetrieb, im Jahr darauf dann auch für das Theater, das bis dahin seine Heimat im alten Festsaal hatte. Dort hatte die Geschäftsführung der „Fähre“ schon 1950 begonnen, unter erschwerten Bedingungen – im Winter war der Saal kaum beheizt, die Garderoben der Schaupeiler waren im Kohlenkeller – einen anspruchsvollen Theaterbetrieb aufzubauen, der mit der neuen Stadthalle bald auf ganz Oberschwaben ausstrahlen sollte.

„Das Theater ist für uns geistig das Gleiche, was Straßen und Eisenbahnen für unsere Wirtschaft darstellen, nämlich Anschluss an die Welt.“ Mit diesen Worten aus dem Spielplan von 1961/62 wird kühn vorweggenommen, was 60 Jahre Theater in der Stadthalle im Rückblick nur bestätigen: Durch die neue Stadthalle hat das kulturelle Leben Saulgaus einen solch ungeheuren Aufschwung genommen, dass die Stadt tatsächlich auf ein Mal die große Welt zu Gast in ihren Mauern hatte. Mit Gastspielen des Burgtheaters Wien, des Renaissance-Theaters Berlin oder des Theaters in der Josefstadt Wien kamen erstklassige Bühnen in die oberschwäbische Provinz und mit ihnen eine Schauspielerriege, die heute nur noch in den Metropolen zu sehen wäre: Josef Meinrad, Helmut Qualtinger, Attila Hörbiger, Elisabeth Flickenschildt, Mario Adorf, Götz George, Liselotte Pulver, Bernhard Minetti, Maria Schell und viele andere spielten hier unter so berühmten Regisseuren wie Otto Schenk, Hans Günter Heyme oder August Everding. Das war nach dem kulturellen Kahlschlag im Nationalsozialismus und den kargen 1950er Jahren in der Tat ein „Anschluss an die Welt“, wie es die Verantwortlichen damals wohl selbst kaum für möglich gehalten hatten.

Ministerpräsident Kiesinger, Bürgermeister Drescher, 11.3.1960
Ministerpräsident Kiesinger, Bürgermeister Drescher, 11.3.1960
Stadthalle, 1960
Stadthalle, 1960
 

Angefangen hatte es am 11. März 1960 mit einer Aufführung von Carl Maria von Webers „Freischütz“, zu der sogar Ministerpräsident Kurt Georg Kiesinger anreiste. Schon Wochen vorher war die Stadthalle mit ihren 1000 Plätzen völlig ausverkauft, und „in den Friseurgeschäften und bei den Schneiderinnen herrschte vorfestlicher Hochbetrieb.“ Mit Bravour hat die neue Stadthalle mit modernster Technik, versenkbarem Orchestergraben und ausfahrbarer Bestuhlung ihre Feuerprobe bestanden. Sie stieß landauf, landab auf ein solches Interesse, dass anschließend Heerscharen von Delegationen aus Städten bis hin nach Bruchsal, Leonberg, Mannheim und Offenbach die Halle besichtigten.

Nachdem im August dann das „Fest der guten Laune“ mit Bill Ramsey und Robert Blanco gefeiert war, wurde eine Theatergemeinde gegründet, die bald auf ein überwältigendes Interesse stieß: Mit 640 Abonnenten und 130 Schülerabos ging es in die Saison 1962/63. Zwei Jahre später waren die Abonnements schon so gefragt, dass es gerade noch 45 Plätze im Freien Verkauf gab, und 1968/69 waren gar alle 1005 Plätze mit Abonnenten belegt. Nicht selten hatte eine Theatersaison damals bis zu 14 Aufführungen, teilweise mit nur einer Woche Abstand – heute kaum mehr vorstellbar. In einer Zeit, in der das Fernsehen gerade erst laufen lernte und kaum kommerzielle oder sonstige kulturelle Angebote lockten, als ganze Schulklassen noch geschlossen ein Abonnement hatten, war das Theater die Attraktion schlechthin nicht nur für das Saulgauer Bildungsbürgertum!

Spitzenreiter der gespielten Autoren ist William Shakespeare, von dem sage und schreibe 24 Stücke aufgeführt wurden. Deutlich abgeschlagen folgen Brecht und Schiller (je 14), Molière (11) sowie Dürrenmatt, Frisch und Nestroy (je 10). Immerhin: In der Summe haben die Modernen Klassiker einen erheblichen Anteil am Spielplan ausgemacht, der in seiner Modernität bei dem teilweise konservativen Publikum durchaus auch anzuecken wusste.

Für George Gershwins Musical „Porgy & Bess“ warb man 1970 – damals noch politisch korrekt – mit „Negersolisten, Chor und Ballett“, und in den Jahren darauf schauten schon einmal Costa Cordalis, Reinhard Mey, Luis Trenker oder Bibi Johns in der Stadthalle vorbei: Auch das Ausdruck des „Anschlusses an die Welt!“

Über 650 Theateraufführungen sind in den 60 Jahren seit ihrer Eröffnung über die Bühne der Stadthalle gegangen, dazu unzählige weitere Veranstaltungen. Abgesehen von einzelnen kleinen Veränderungen, etwa einer vergrößerten Hinterbühne, neuer Bestuhlung oder dem später angebauten Foyer, ist sie in ihrer Grundstruktur nahezu unverändert: Ausweis einer weitsichtigen, funktionalen Planung, mit der die Stadt den Grundstein legte für ein bis heute florierendes Kulturleben. Und auch wenn das Theater heute nicht mehr den Stellenwert hat wie in den 1960er Jahren und heftiger Konkurrenz durch Fernsehen, Internet, Kino, Comedy und sonstiger Event-Kultur ausgesetzt ist, gilt nach wie vor, was das Programmheft 1962 postuliert: Theater ist nicht nur sinnlich-ästhetisch-emotionales Erlebnis, sondern auch mentales Vergnügen, das den Horizont weitet. Bewegender, anregender und unterhaltsamer kann der „Anschluss an die Welt“ bis heute nicht sein!


Vorverkaufsstellen/Information

Foto: Joachim Hiltmann
Foto: Joachim Hiltmann

Informationen zu allen Veranstaltungen sowie Abonnements erhalten Sie beim städtischen Kulturamt.

Die Preise liegen zwischen 18 und 26 Euro bei Abonnementsaufführungen; bei Sondergastspielen je nach Aufführung.
Ermäßigungen für Schüler und Schulklassen.
Tickets im Vorverkauf sind erhältlich
im Bürgerbüro der Stadt Bad Saulgau
bei der Tourist-Information am Marktplatz

sowie online unter www.reservix.de

 

AndreasRuess

Oberamteistraße 11
88348 Bad Saulgau
07581 207-160
07581 207-863
E-Mail

Öffnungszeiten Bürgerbüro

Noch mehr Sprechzeiten bietet das städtische Bürgerbüro an.

Öffnungszeiten Bürgerbüro

Öffnungszeiten Rathaus

Montag
08:00 - 12:15 Uhr
Dienstag
08:00 - 12:15 Uhr
14:00 - 17:00 Uhr
Mittwoch
08:00 - 12:15 Uhr
Donnerstag
08:00 - 12:15 Uhr
14:00 - 17:00 Uhr
Freitag
08:00 - 12:15 Uhr

Datenschutzhinweis

Diese Webseite nutzt externe Komponenten, wie z.B. Karten, Videos oder Analysewerkzeuge, welche alle dazu genutzt werden können, Daten über Ihr Verhalten zu sammeln. Dabei werden von den externen Komponenten ggf. auch Cookies gesetzt. Die Einwilligung zur Nutzung der Komponenten können Sie jederzeit widerrufen. Eine Übersicht der externen Komponenten und weitere Informationen dazu erhalten Sie in unseren Datenschutzinformationen.