Theater Stadthalle

Liebe Theaterfreunde,

nach anderthalb Jahren Pause und einem kurzen Intermezzo im Herbst letzten Jahres, das nach der herausragenden Aufführung von Ferdinand von Schirachs „Gott“ ein schnelles Ende fand, geht es endlich wieder los! Ich freue mich sehr, dass nach dieser Zeit der kulturellen Dürre eine vorsichtige Rückkehr in das Konzert-, Theater- und Ausstellungsleben möglich scheint - auch wenn wir wohl auf längere Sicht noch mit Einschränkungen, Abstands- und Hygieneregeln werden leben müssen. Sollten die Vorgaben eine verlässliche und ausreichende Belegung der Stadthalle zulassen, so streben wir auch eine Wiederaufnahme des regulären Abo-Betriebs an.

Neben Stücken aus den vergangenen beiden Spielzeiten, die Corona zum Opfer fielen und nun nachgeholt werden, gibt es eine Reihe weiterer Aufführungen, die eine abwechslungsreiche und spannende Theatersaison 2021/22 versprechen. Etwa Daniel Kehlmanns Drama „Reise der Verlorenen“ oder das Musik-Stück „Spatz und Engel“ über die schwierige Beziehung der beiden Superstars Marlene Dietrich und Edith Piaf.

Wir müssen alle dankbar sein, dass die Künstler diese lange Durststrecke durchgehalten haben und wir sie nun endlich erleben dürfen. Wenn Corona etwas Gutes hatte, so vielleicht doch dies, dass wir die Kraft  des Theaters ganz neu zu schätzen gelernt haben. Und dass uns bewusstwurde, dass wirklicher Kunstgenuss nicht am Bildschirm stattfindet, sondern dazu das gemeinsame Erleben mit anderen gehört. Aller Digitalisierung zum Trotz wird es auch weiterhin die klassische Theaterbühne sein, die uns wie nichts anders zu berühren und bewegen vermag und Teil werden lässt eines größeren Ganzen, das sich erst zwischen Bühne und Saal, zwischen Künstler und Publikum bildet.

Viel Vergnügen und Freude in der Spielzeit 2021/22
Ihr

Andreas Ruess

Regelung ab 16.08.21 für den Theaterbesuch (unabhängig der Inzidenz):

• Impf- oder Genesenennachweis erforderlich; ggf. PCR-Test.
• Personendaten beim Ticketkauf angeben.
• Medizinische Maske erforderlich.
Über mögliche Änderungen der Vorgaben informieren Sie sich bitte tagesaktuell unter www.landkreis-sigmaringen.de oder unter 07581-207-161.

Vorschau Spielzeit 2021/22 - Ticketverkauf noch geschlossen!

Samstag, 9. Oktober 2021 - Spatz und Engel

Samstag, 9.10.2021, 19.30 Uhr, Stadthalle
Spatz und Engel
Schauspiel mit Musik von Daniel Große Boymann & Thomas Kahry
Fritz Rémond Theater, Frankfurt / Thespiskarren
Regie: Daniel Große Boymann

Mit Heleen Joor, Susanne Rader, Arzu Ermen, Steffen Wilhelm u.a.

„Spatz und Engel“ wirft einen Blick auf die Beziehung der Superstars Marlene Dietrich und Edith Piaf, die von künstlerischer Bewunderung bis hin zur Liebesaffäre reichte. Rund um die weltbekannten Songs entspinnt sich die Geschichte, die ihren Ausgangspunkt im Amerika der 1940er Jahre hat. Hier versucht sich Edith nach dem Krieg ein neues Publikum zu erschließen und ist mit anfänglichem Misserfolg konfrontiert. Da tritt Marlene in ihr Leben. Die Anziehungskraft zwischen den beiden Protagonistinnen ist gewaltig. Während sie zu den gefragtesten und bestbezahlten Konzert¬sänge-rinnen der Welt aufsteigen, erleben sie gemeinsame Jahre voller Höhen und Tiefen. Als Edith der größte Schicksalsschlag ihres Lebens trifft, kämpft Marlene mit aller Kraft, um den drohenden Absturz in Depressionen, Alkohol- und Drogenabhängigkeit zu verhindern. Doch der aufopferungsvollen Fürsorge ‚der Dietrich‘ steht der unbändige Freiheits- und Unab-hängig¬keitsdrang ‚der Piaf‘ im Weg, und die Freundschaft wird auf eine harte Probe gestellt…

„Spatz und Engel“, 2013 am Wiener Burgtheater uraufgeführt, ist ein regelrechter Publikumsrenner und läuft dort bis heute schon in der siebten Saison ohne Unterbrechung. Mit Cordula Hacke (Klavier) und Vassily Dück (Akkordeon) sorgen dabei zwei vielfach ausgezeichnete Instrumentalisten für den richtigen Ton.


Foto: Helmut Seuffert
Foto: Helmut Seuffert
 

Sonntag, 14. November 2021 - Schtonk

Sonntag, 14.11.2021, 19.30 Uhr, Stadthalle
Schtonk
Stück nach dem Film von Helmut Dietl
Landgraf
Regie: Harald Weiler

Mit Luc Feit („Die Grönholm-Methode“; „Kunst“) und Carsten Klemm („Draußen vor der Tür“; „Verbrennungen“) ist das Stück hervorragend besetzt.

1983 war es der große Skandal: Der „Stern“ erklärt, dass sich Adolf Hitlers geheime Tagebücher in seinem Besitz befänden und die Geschichte umgeschrieben werden müsse. Das Magazin ging dabei dem Fälscher Konrad Kujau auf den Leim, dem es 9 Mio. DM für die Fälschungen bezahlt hatte.
Helmut Dietl (Kir Royal; Monaco Franze) hat daraus die großartige Film-Satire „Schtonk“ geschaffen, die vom schmierigen Skandalreporter Hermann Willié erzählt, der sich finanziell übernommen hat und auf der Suche nach einem richtigen Knüller ist, der ihn saniert. Als ihm ein Antiquar das geheime Tagebuch des Führers „Adolf Hitler privat! Ein Mensch wie du und ich!“ anbietet, wittert er seine Chance. Und da Hamburg bekanntermaßen die deutsche Pressestadt ist, schaut die ganze Welt zu, als es veröffentlicht wird. Nach ersten Gutachten scheint alles seine Richtigkeit zu haben, doch dann sehen ein paar Leute etwas genauer hin – und der erwartete Knüller wird zum fatalen Donnerschlag ...
„Schtonk“ verhandelt auf satirische Weise was passiert, wenn es im Journalismus nur noch um Sensation und Auflage, aber nicht mehr um Seriosität geht. Eine Problematik, die im Zeitalter von Fake-News und digitalen Echo-Kammern leider brandaktuell und dazu geeignet ist – wie der Trumpismus lehrt –, sogar ganze Demokratien ins Wanken zu bringen.



Foto: T. Behind-Photographics
Foto: T. Behind-Photographics
 

Samstag, 27. November 2021 - Love Letters

Samstag, 27.11.2021, 19.30 Uhr, Stadthalle
Love Letters
Stück von A.R. Gurney
A.gon
Regie: Stefan Zimmermann

Mit Ursula Buschhorn und Peter Kremer

„Love letters“ erzählt in einem berührenden Dialog die Geschichte einer leisen, großen Liebe.Andrew und Melissa kennen sich seit Kindertagen. In der Schule schreiben sie sich Zettelchen, später während ihres gesamten Lebens Briefe. Sie finden nie zueinander und sind doch auf ewig verbunden. Eine Frau, ein Mann – zwei ganz verschiedene Leben. Eine wundervolle, große Liebe, leicht und klar entwickelt im Dialog intimer Briefe.
Erst im letzten dieser Briefe erfahren wir die tieferen Sehnsüchte und die Offenheit gegenüber dem allzu oft Verschwiegenen. Am Ende bleibt der Traum, und niemand weiß, was gewesen wäre, wäre alles anders gekommen…

Regisseur Stefan Zimmermann: „Das Stück ist süffig, wie ein Kolportageroman, sentimental wie die Gartenlaube und – wenn es bis ins Kleinste durchgearbeitet aufgeführt wird – erstklassige Unterhaltung. Das Beste daran ist: die eigentliche Geschichte steckt zwischen den Zeilen dieser vielen Briefe.“


Foto: A.gon
Foto: A.gon
 

Sonntag, 12. Dezember 2021 - Reise der Verlorenen

Sonntag, 12.12.2021, 19.30 Uhr, Stadthalle
Reise der Verlorenen
Schauspiel von Daniel Kehlmann
Theaterlust
Regie: Thomas Luft

Mit Axel Pape, Florian Miro, Jonathan Wolters, Judith Riehl, Kathrin Steinweg, Konstantin Moreth u.a.

Im Jahr 1939 gehen 937 Jüdinnen und Juden in Hamburg an Bord der St. Louis. Sie wollen nach Kuba und von dort weiter in die USA oder andere Länder. Doch der kubanische Präsident verbietet die Einreise. Die Menschen dürfen nicht von Bord und die St. Louis muss den Hafen verlassen. Eine Zeit des Hoffens und Bangens beginnt. Auch die Tatsache, dass die jüdischen Passagiere an Bord der nationalsozialistischen Gesinnung einiger Crew-Mitglieder ausgesetzt sind, lässt die Anspannung wachsen. Die Lage spitzt sich zu, als Amerika und Kanada ebenfalls die Einreise verwehren. Niemand auf der Welt will die Flüchtlinge haben. Die St. Louis wird nach Hamburg zurückbeordert. Doch Kapitän Gustav Schröder kämpft um und für die Menschen auf dem Schiff. Erst als Schröder gegen seine Kapitänsehre erwägt, das Schiff auf Grund laufen zu lassen, kommt Hilfe: einige europäische Länder bieten jeweils einer bestimmten Quote von Juden Zuflucht. Aber Nazi-Deutschland überzieht den gesamten Kontinent mit Terror und Krieg. Und so geht die Reise der Verlorenen weiter…

Das Stück basiert auf einer wahren Geschichte; die Irrfahrt der St. Louis ist historisch verbürgt. Daniel Kehlmann bringt die Handlung (nach dem Buch „Voyage of the Damned“ von Gordon Thomas und Max Morgan-Witts) in zeitübergreifender Fiktion auf die Bühne. Die aktuellen Fluchtdramen erwähnt er mit keiner Silbe. Und dennoch drängen die Parallelen sich auf.

Bestseller-Autor Daniel Kehlmann (Die Vermessung der Welt) hat das Stück als Auftragsarbeit für das Theater in der Josefstadt in Wien geschrieben. Dort wurde es im September 2018 uraufgeführt und ist nun in Co-Produktion mit dem Altonaer Theater auf Tournee.


Foto: H. Posch
Foto: H. Posch
 

Freitag, 21. Januar 2022 - Die Nervensäge

Freitag, 21.1.2022, 19.30 Uhr, Stadthalle
Die Nervensäge
Komödie nach Francis Veber
Hamburger Kammerspiele
Deutsch von Dieter Hallervorden
Regie: Jean-Claude Berutti

Mit Mit Achmed Ole Bielfeldt, Achim Buch, Sewan Latchinian u.a.

Der Auftrag ist klar und präzise: Berufskiller Ralph soll vom Hotelfenster aus einen Kronzeugen liquidieren, bevor dieser das Gerichtsgebäude betritt. Kein Problem für den Profi, der alles perfekt vorbereitet hat. Doch da stolpert ihm das personifizierte Unglück über den Weg: François Pignon, der zufällig im Nachbarzimmer eincheckt. Ein herzensguter Mann, der von seiner Frau verlassen wurde und nun seinem Leben ein Ende setzen will. So nimmt der Wahnsinn seinen Lauf, da das ungleiche Paar ständig in neue Turbulenzen gerät, die aberwitziger nicht sein könnten. Um Pignon davon abzuhalten, aus dem Fenster zu springen und damit alle Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen, kommt er nicht mehr dazu, seinen mörderischen Auftrag zu erfüllen. Der Killer, ein Vollprofi, der eigentlich nur schwer aus der Fassung zu bringen ist, verliert zusehends die Contenance…
Francis Veber hat mit „Die Nervensäge“ eine regelrechte Bilderbuch-Komödie erschaffen. Schreiend komisch und rührend zugleich. Nach seinem Stück entstand das Dreh-buch für „Die Filzlaus“ mit Jacques Brel und Lino Ventura und später „Buddy Buddy“ mit Walter Matthau und Jack Lemmon.

„Mordsvergnügliche und schön schräge Beziehungs-komödie übers Leben und Lebenlassen.“ MORGENPOST


Foto: Anatol Kotte
Foto: Anatol Kotte
 

Samstag, 26. März 2022 - Sophie Scholl-Die letzten Tage

Samstag, 26.3.2022, 19.30 Uhr, Stadthalle
Sophie Scholl – Die letzten Tage
Schauspiel von Betty Hensel nach dem Drehbuch von Fred Breinersdörfer
Landesbühne Rheinland-Pfalz

2021 wäre Sophie Scholl 100 Jahre alt geworden. Betty Hensel hat nach dem Drehbuch von Fred Breinersdorfer, dessen Verfilmung 2005 mit Julia Jentsch in der Hauptrolle international ausgezeichnet und für den Oscar nominiert wurde, ein packendes und bewegendes Theaterstück gemacht. Das Schauspiel, 2008 in Salzburg uraufgeführt, orientiert sich, wie schon der Film, an den originalen Verhörprotokollen von Hans und Sophie Scholl.
Herausgekommen ist ein erschütterndes Zeitdokument, das zeigt, zu welchem Widerstand junge Menschen fähig sein können und was der „aufrechte Gang“ in schwierigen Zeiten bedeutet.

Fred Breinersdörfer ist Autor von mehr als 20 Tatort-Folgen sowie zahlreicher weiterer Drehbücher, Romane und Hörspiele.
Mit Stella Withenius in der Rolle der Sophie Scholl sowie Johannes Zajdowicz (Hans Scholl), Till Brinkmann (Dr. Freisler), Paul Behrens, Dominik Penschek und Hanna Pelz ist Regisseur Lajos Wenzel eine ergreifende Inszenierung gelungen.




Foto: Theater Neuwied
Foto: Theater Neuwied
 

Freitag, 29. April 2022 - Extrawurst

Freitag, 29.04.2022, 19.30 Uhr, Stadthalle
Extrawurst
Dramödie von Dietmar Jacobs und Mortz Netenjakob
Landgraf
Regie: Frank Matthus

Mit Gerd Silberbauer („Des Teufels General“) u.a.

Im Tennisclub soll über die Anschaffung eines neuen Grills abgestimmt werden. Normalerweise kein Problem – gäbe es da nicht den Vorschlag, auch einen eigenen Grill für das einzige türkische Club-Mitglied zu finanzieren. Denn Muslime dürfen ihre Grillwürste ja nicht auf einen Rost mit Schweinefleisch legen. Die gut gemeinte Idee löst Dis¬kus-sionen und stellt den Verein vor eine Zerreißprobe. Denn: Wie viele Rechte muss eine Mehrheit einer Minderheit einräumen?
Ebenso respektlos wie komisch stoßen Atheisten und Gläubige, Deutsche und Türken, „Gutmenschen“ und Hardliner frontal aufeinander. Und allen wird klar: Es geht um mehr als einen Grill… Es geht darum, wie wir zu-sammenleben. Zumal die Grenzen zwischen „rechts“ und „links“, „tolerant“ und „intolerant“, „religiös“ und „ungläubig“ durchaus fließender sind als man denkt…
Die Zuschauer sind als Vereinsmitglieder direkter Teil des Geschehens und erleben mit, wie sich eine Gesellschaft komplett zerlegen kann. Und das in einer schnellen, hoch-pointierten und sehr aktuellen Komödie.

Dietmar Jacobs und Mortz Netenjakob sind ein TV-Comedy-Autorenduo aus dem Umkreis von Bastian Pastewka, Anke Engelke und Christoph Maria Herbst, das 2006 für die Serie „Stromberg“ mit dem Grimme-Preis ausgezeichnet wurde: Spezialisten für ein punktgenaues Pointen-Feuerwerk.

Foto: Dietrich Dettmann
Foto: Dietrich Dettmann
 

Eine kleine Saulgauer Theatergeschichte

2019 - 60 Jahre Stadthalle

Nach heftigen kommunalpolitischen Diskussionen im Vorfeld und erheblichen Schwierigkeiten, die einen mehrjährigen Baustopp beinhalteten, wurde am 21. November 1959, die neue Saulgauer Stadthalle in der Schützenstraße eröffnet. Zunächst für den Sportbetrieb, im Jahr darauf dann auch für das Theater, das bis dahin seine Heimat im alten Festsaal hatte. Dort hatte die Geschäftsführung der „Fähre“ schon 1950 begonnen, unter erschwerten Bedingungen – im Winter war der Saal kaum beheizt, die Garderoben der Schaupeiler waren im Kohlenkeller – einen anspruchsvollen Theaterbetrieb aufzubauen, der mit der neuen Stadthalle bald auf ganz Oberschwaben ausstrahlen sollte.

„Das Theater ist für uns geistig das Gleiche, was Straßen und Eisenbahnen für unsere Wirtschaft darstellen, nämlich Anschluss an die Welt.“ Mit diesen Worten aus dem Spielplan von 1961/62 wird kühn vorweggenommen, was 60 Jahre Theater in der Stadthalle im Rückblick nur bestätigen: Durch die neue Stadthalle hat das kulturelle Leben Saulgaus einen solch ungeheuren Aufschwung genommen, dass die Stadt tatsächlich auf ein Mal die große Welt zu Gast in ihren Mauern hatte. Mit Gastspielen des Burgtheaters Wien, des Renaissance-Theaters Berlin oder des Theaters in der Josefstadt Wien kamen erstklassige Bühnen in die oberschwäbische Provinz und mit ihnen eine Schauspielerriege, die heute nur noch in den Metropolen zu sehen wäre: Josef Meinrad, Helmut Qualtinger, Attila Hörbiger, Elisabeth Flickenschildt, Mario Adorf, Götz George, Liselotte Pulver, Bernhard Minetti, Maria Schell und viele andere spielten hier unter so berühmten Regisseuren wie Otto Schenk, Hans Günter Heyme oder August Everding. Das war nach dem kulturellen Kahlschlag im Nationalsozialismus und den kargen 1950er Jahren in der Tat ein „Anschluss an die Welt“, wie es die Verantwortlichen damals wohl selbst kaum für möglich gehalten hatten.

Ministerpräsident Kiesinger, Bürgermeister Drescher, 11.3.1960
Ministerpräsident Kiesinger, Bürgermeister Drescher, 11.3.1960
Stadthalle, 1960
Stadthalle, 1960
 

Angefangen hatte es am 11. März 1960 mit einer Aufführung von Carl Maria von Webers „Freischütz“, zu der sogar Ministerpräsident Kurt Georg Kiesinger anreiste. Schon Wochen vorher war die Stadthalle mit ihren 1000 Plätzen völlig ausverkauft, und „in den Friseurgeschäften und bei den Schneiderinnen herrschte vorfestlicher Hochbetrieb.“ Mit Bravour hat die neue Stadthalle mit modernster Technik, versenkbarem Orchestergraben und ausfahrbarer Bestuhlung ihre Feuerprobe bestanden. Sie stieß landauf, landab auf ein solches Interesse, dass anschließend Heerscharen von Delegationen aus Städten bis hin nach Bruchsal, Leonberg, Mannheim und Offenbach die Halle besichtigten.

Nachdem im August dann das „Fest der guten Laune“ mit Bill Ramsey und Robert Blanco gefeiert war, wurde eine Theatergemeinde gegründet, die bald auf ein überwältigendes Interesse stieß: Mit 640 Abonnenten und 130 Schülerabos ging es in die Saison 1962/63. Zwei Jahre später waren die Abonnements schon so gefragt, dass es gerade noch 45 Plätze im Freien Verkauf gab, und 1968/69 waren gar alle 1005 Plätze mit Abonnenten belegt. Nicht selten hatte eine Theatersaison damals bis zu 14 Aufführungen, teilweise mit nur einer Woche Abstand – heute kaum mehr vorstellbar. In einer Zeit, in der das Fernsehen gerade erst laufen lernte und kaum kommerzielle oder sonstige kulturelle Angebote lockten, als ganze Schulklassen noch geschlossen ein Abonnement hatten, war das Theater die Attraktion schlechthin nicht nur für das Saulgauer Bildungsbürgertum!

Spitzenreiter der gespielten Autoren ist William Shakespeare, von dem sage und schreibe 24 Stücke aufgeführt wurden. Deutlich abgeschlagen folgen Brecht und Schiller (je 14), Molière (11) sowie Dürrenmatt, Frisch und Nestroy (je 10). Immerhin: In der Summe haben die Modernen Klassiker einen erheblichen Anteil am Spielplan ausgemacht, der in seiner Modernität bei dem teilweise konservativen Publikum durchaus auch anzuecken wusste.

Für George Gershwins Musical „Porgy & Bess“ warb man 1970 – damals noch politisch korrekt – mit „Negersolisten, Chor und Ballett“, und in den Jahren darauf schauten schon einmal Costa Cordalis, Reinhard Mey, Luis Trenker oder Bibi Johns in der Stadthalle vorbei: Auch das Ausdruck des „Anschlusses an die Welt!“

Über 650 Theateraufführungen sind in den 60 Jahren seit ihrer Eröffnung über die Bühne der Stadthalle gegangen, dazu unzählige weitere Veranstaltungen. Abgesehen von einzelnen kleinen Veränderungen, etwa einer vergrößerten Hinterbühne, neuer Bestuhlung oder dem später angebauten Foyer, ist sie in ihrer Grundstruktur nahezu unverändert: Ausweis einer weitsichtigen, funktionalen Planung, mit der die Stadt den Grundstein legte für ein bis heute florierendes Kulturleben. Und auch wenn das Theater heute nicht mehr den Stellenwert hat wie in den 1960er Jahren und heftiger Konkurrenz durch Fernsehen, Internet, Kino, Comedy und sonstiger Event-Kultur ausgesetzt ist, gilt nach wie vor, was das Programmheft 1962 postuliert: Theater ist nicht nur sinnlich-ästhetisch-emotionales Erlebnis, sondern auch mentales Vergnügen, das den Horizont weitet. Bewegender, anregender und unterhaltsamer kann der „Anschluss an die Welt“ bis heute nicht sein!


Vorverkaufsstellen/Information

Foto: Joachim Hiltmann
Foto: Joachim Hiltmann

Informationen zu allen Veranstaltungen sowie Abonnements erhalten Sie beim städtischen Kulturamt.

Die Preise liegen zwischen 16 und 24 Euro bei Abonnementsaufführungen; bei Sondergastspielen je nach Aufführung.
Ermäßigungen für Schüler und Schulklassen.
Tickets im Vorverkauf sind erhältlich
im Bürgerbüro der Stadt Bad Saulgau
bei der Tourist-Information am Marktplatz

sowie online unter www.reservix.de

 

AndreasRuess

Oberamteistraße 11
88348 Bad Saulgau
07581 207-160
07581 207-863
E-Mail

Sprechzeiten Rathaus

Montag
08:00 - 12:15 Uhr
Dienstag
08:00 - 12:15 Uhr
14:00 - 17:00 Uhr
Mittwoch
08:00 - 12:15 Uhr
Donnerstag
08:00 - 12:15 Uhr
14:00 - 17:00 Uhr
Freitag
08:00 - 12:15 Uhr

Sprechzeiten Bürgerbüro

Noch mehr Sprechzeiten bietet das städtische Bürgerbüro an.

Öffnungszeiten Bürgerbüro

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