Unternehmenstour - ein kurzer Rückblick

27.10.2022

Bei mehreren Unternehmen waren Bürgermeisterin, Gemeinderat und Wirtschaftsförderung in den vergangenen Wochen zu Gast.

Sommertour 2022 startet bei Ralf Neudörffer

Wie in jedem Jahr besuchen Vertreter der Verwaltung und des Gemeinderats einzelne in Bad Saulgau ansässige Betriebe im Rahmen der Sommertour. Zum Auftakt der Tour waren Bürgermeisterin Doris Schröter und Wirtschaftsförderin Ilona Boos gemeinsam mit den Gemeinderäten Franz Östermann (FFW), Gerlinde Frühbauer (SPD), Wolfgang Lohmiller (Grüne) und Anton Baumgartner (CDU) beim Fahrradgeschäft Neudörffer.

Der Betrieb besteht schon seit 157 Jahren und fünf Generationen - und auch die nächste Generation steht bereits in den Startlöchern. Neudörffers Sohn absolviert derzeit eine Ausbildung zum Zweiradmechatroniker in Emmendingen und wird in einigen Jahren in die Fußstapfen seines Vaters treten.

Neudörffer zeigt seinen Gästen zuerst den Hauptverkaufsraum, in dem er Fahrradzubehör und E-Bikes anbietet, die bereits 50 % des Absatzes der Erwachsenenräder ausmachen. Auf die derzeitigen Lieferengpässe scheint Neudörffer bestens vorbereitet. Im Gebäude lagern auf drei Etagen verschiedene Fahrräder von E-Bikes über Mountainbikes bis hin zu Kinderfahrrädern. Die bis zu 17.000 Schritte, die er daher pro Tag laufe um seinen Kunden passende Bikes aus den Lagern im Obergeschoss zu holen, seien für ihn ein „kleines Fitnessprogramm“.
Das es in der Branche derzeit an vielen Stellen Lieferprobleme gebe, sei allerding kaum verwunderlich. „Ein Fahrrad ist Multi-Kulti“, weiß Neudörffer. So kommen Motoren aus Ungarn und Sattel aus Italien. Ein komplett in Deutschland produziertes Fahrrad gebe es einfach nicht. Dennoch findet er es positiv, dass ein Großteil der Produktion in Europa stattfinde.

Gegenüber dem Bahnhof liegt Neudörffers zweiter Standort, die Fahrrad-Werkstatt. Auch hier hat die Digitalisierung Einzug gehalten. Die Kunden können hier ihr Fahrrad vorbeibringen. Anhand eines Strichcodes am Rahmen werden dann alle nötigen Informationen über das Fahrrad ermittelt. Danach kommt es zur Reparatur in die große Werkstatthalle. Ist das Fahrrad wieder fahrbereit, erhält der Kunde eine Benachrichtigung per SMS und kann sein Fahrrad bei Neudörffer abholen. In seiner Werkstatt gibt es drei Reparaturplätze. Insgesamt beschäftigt Neudörffer 12 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.

Neben dem klassischen Verkauf und der Reparatur bietet Neudörffer auch Leasingmodelle an – und könnte sich vorstellen, mit der Stadt eine Kooperation zu starten, um Leihfahrräder beispielsweise für Touristen und Gäste verfügbar zu machen. Und ganz grundsätzlich könne noch viel getan werden, um die Leute weg vom Auto hin zum Fahrrad zu bekommen. Er sieht Bad Saulgau dennoch auf einem guten Weg, auch wenn es aus seiner Sicht vor allem an Parkmöglichkeiten für Fahrräder fehle.

Foto: Stadtverwaltung
Foto: Stadtverwaltung

Gleich zweimal in Bad Saulgau: Bäckerei Konditorei Bochtler

Die Bäckerei Konditorei Bochtler wurde 1955 vom Vater und Großvater der 3 Geschäftsführer in Riedlingen gegründet und ist ein echtes Familienunternehmen. Neben dem Hauptsitz in der Neuen Unlinger Straße in Riedlingen führen die Bochtlers noch weitere Filialen in der Riedlinger Innenstadt, Mengen, sowie in Bad Saulgau in der Kaiserstraße und in der Friedrichsstraße. Mit ihren Filialen verfügt die Bäckerei über ein Einzugsgebiet von 30.000 – 40.000 Menschen.

Bäckermeister Michael Bochtler führte die Gruppe zunächst durch die Backstube. Seine Führung begann er im Lager der Bäckerei und ging dabei auf Thema der Zurückverfolgbarkeit der Rohstoffe ein. Er legt großen Wert auf regionale Produkte, jedoch sei dies nicht einfach, da viel mittlerweile aus China oder Afrika importiert werde – selbst bei Rohstoffen, die man eigentlich in Deutschland oder Europa verorten würde. Neben seinem Rohstofflager unterhält die Bäckerei übrigens ein gesondertes Mehllager. Dort lagern mehrere Tonnen Mehl verschiedener Typen. Denn je nach Backware werde ein anderes Mehl benötigt, so der Bäckermeister.

Weiter ging die Führung dann in der Backstube. Dort zeigte der Bäckermeister unter anderem die Maschinen zur Teigherstellung, sowie weitere Geräte, wie z.B. eine Maschine die den Teig auf die genauen, immer gleichen Portionen abwiegt. Echte Handarbeit sind hingegen weiterhin die Brezeln. „An der Form der Brezel kann ich deshalb sogar erkennen, welcher meiner Mitarbeiter am Werk war“, schmunzelt Michael Bochtler. Gemeinsam von der Bäckerei, als auch der Konditorei genutzt werden übrigens die Backöfen. Die dabei entstehende Abwärme wird als Heizung anderer Bereiche des Betriebs genutzt.

Im Gespräch mit den städtischen Vertretern berichten die Brüder über einen Azubi-Mangel der Branche. Ausschlaggebend dafür seien die Arbeitszeiten als Bäcker. Bei der Bäckerei Bochtler wird der erste Teig bereits um 1 Uhr morgens gemacht. Dementsprechend früh beginnen die Arbeitszeiten der Riedlinger Bäcker.

Die Konditorei, die von Michael Bochtlers Bruder Konditormeister Frank Bochtler geleitet wird, führt 18 verschiedenen Torten, sowie eine kleine Auswahl an Kuchen. Daneben produziert die Konditorei auch Pralinen und im Sommer auch Eis.

Um sich während den unsicheren Zeiten der Corona-Einschränkungen ein drittes Standbein aufzubauen, sind die Brüder kreativ geworden. Die Bäckerei bietet seitdem Tiefkühlbackwaren für Gastronomen und Caterer an und die Konditorei hat ihre eigene Eismarke BOTIQUA geschaffen. Erhältlich sind unter anderem Sorten wie Schwarzwälder-Kirsch-Torte oder Käsekuchen sowie ein besonderes Schokoeis, das nicht aus Schokolade, sondern direkt aus Kakao hergestellt wird.

Das Thema Nachhaltigkeit spielt bei der Bäckerei und Konditorei Bochtler eine große Rolle. Nicht verkaufte Produkte werden bei ihnen zu Brösel und anderen Nebenprodukten weiterverarbeitet und an die Tafelläden der 3 Donaustädte gespendet. Sinnlos weggeworfen werde bei ihnen also nichts. Auch beim Thema Energie setzen sie auf Nachhaltigkeit und betreiben auf ihrem Dach eine Photovoltaikanlage mit 99kW.

Foto: Stadtverwaltung

Made in Bad Saulgau: Mozzarella-Manufaktur Melillo produziert im Teilort Haid

2017 hat Giovanni Melillo den ehemaligen Gasthof Engel im Teilort Haid, direkt an der B32 erworben. Seine Vision: Eine Mozzarella-Manufaktur mit Schaukäserei, Ladengeschäft und kleiner Gastronomie. Warum sich zwar seitdem viel getan hat, aber etwas anders als ursprünglich geplant, darüber informierten sich bei einem Unternehmensbesuch vor wenigen Tagen Bürgermeisterin Doris Schröter, Gemeinderatsvertreter und die städtische Wirtschaftsförderung.

Die Nachfrage von Konsumenten, Gastronomie aber auch Supermarkketten sei zwar von Anfang an enorm gewesen, erklärt Giovanni Melillo. Angesichts der Qualität und Regionalität der Produkte ist das auch nicht weiter verwunderlich. Die Produktion am neuen Standort in Bad Saulgau sei jedoch nie richtig angelaufen. Zu viele Verzögerungen habe es beim Umbau des Bestandsgebäudes und vor allem bei Bau der neuen Produktionshalle gegeben. Die Folge: Eine finanzielle Schieflage, die Melillo aus eigener Kraft nicht mehr ausgleichen konnte.

Mit den Jermi Käsewerken aus Laupheim hat Giovanni Melillo allerdings nun einen Partner gefunden, der nicht nur die notwendigen Finanzmittel mitgebracht hat, sondern auch eine ganze Menge wertvolles Know-How. In die fast fertige Produktion wurde nochmals investiert, um zum einen Betriebsabläufe effizienter zu machen. So ist aus dem Konzept der Schaukäserei mittlerweile eine „gläserne Produktion“ geworden. Mehrere kleine Produktionsräume wurden hierfür zu einem großen, zentral gelegenen Raum zusammengelegt. Über eine meterlange Glasfront können Besucher nun zusehen, wie der Mozzarella entsteht.

Natürlich kommen in der Herstellung dabei auch Maschinen zum Einsatz. Den Charakter einer Manufaktur ist dennoch weiterhin unverkennbar. Viel Handarbeit steckt in der Herstellung. Und vor allem werden die in verschiedenen Größen und Formen hergestellten Mozzarella-Variationen, ohne Zusatz von Konservierungsstoffen aus frisch angelieferter Milch produziert. Ganz wichtig, damit der Käse auch haltbar wird, sind für Melillo deshalb höchste Hygienestandards und eine schnelle Verpackung.

Was hinter dem Engagement der Jermi bei der Mozzarella-Manufaktur steht, erläuterte nach der Führung Monika Jerg, Ehegattin von Jermi-Chef Gerhard Jerg. Die Käsewerke hatten zusätzlich zu ihrem Hauptgeschäft Schmelzkäseherstellung und Käseveredelung bereits vor mehreren Jahren de Bio-Käsemanufaktur Weißenhorner erworben, die mittlerweile zu den Marktführern bei der Herstellung von Frischkäse und Aufstrichen zählt. Der sehr hochwertige und regional produzierte Mozzarella aus der Manufaktur Melillo sei eine Ergänzung, die hierzu ideal passe.
Spätestens im Herbst wird Melillo deshalb auch Mozzarella in Bioqualität herstellen. Zu den aktuell zwei Produktionstagen werden weitere hinzukommen. Und auch baulich wird sich der Betrieb absehbar weitentwickeln. Bereits geplant sind eine große Besucherterrasse und danach eine weitere größere Investition, um Milch besser und in größeren Mengen anliefern zu können.

Foto: Stadtverwaltung
Foto: Stadtverwaltung

Unternehmenstour bei Wintec Autoglas Reutter

Spannende Einblicke gab es bei der diesjährigen Unternehmenstour bei Wintec Autoglas Reutter. Spezialisiert ist das Unternehmen auf den Austausch und die Reparatur von Fahrzeugscheiben, für normale Kfz gleichermaßen wie für LKW oder Busse. 25 Mitarbeiter beschäftigen Traudl Reutter und Tochter Iris Schöpf, die den Betrieb gemeinsam leiten, an mittlerweile fünf Standorten. Neben dem Hauptsitz in der Martin Staud-Straße hat Wintec Autoglas Reutter Zweigstellen in Augsburg, Neu-Ulm, Konstanz und Wangen.

„Ein Auto ist heute ein High-Tech-Produkt. Und ganz besonders viel Technik ist in und an den Scheiben verbaut“, erklärt Traudl Reutter. Bestes Beispiel seien die elektronischen Assistenzsysteme. Die hierfür notwendigen Sensoren seien fast alle in der Scheibe verbaut. Damit das System auch nach dem Austausch noch funktioniere, brauche es deshalb nicht nur ganz viel technisches Know-How, sondern auch ein sehr exaktes Arbeiten. Denn die optischen Sensoren, beispielsweise für einen Spurassistenten, funktionierten nur dann zuverlässig, wenn die Scheibe nach einem Austausch millimetergenau richtig kalibriert werde.
„Für uns ist deshalb ganz wichtig, die Mitarbeiter entsprechend zu qualifizieren“, erklärt Iris Schöpf, zumal die Entwicklung hin zum autonomen Fahren zügig weitergehe. Dies sei zwar eine Herausforderung, zumal es keinen Ausbildungsberuf Autoglaser gebe.
Die hohe Komplexität sorge aber auch für Aufträge. Denn neben Privatpersonen und Unternehmen, die ihre Fahrzeugscheiben bei Wintec reparieren oder tauschen lassen, gehören zunehmend auch (freie) Werkstätten zum Kreis der Geschäftspartner.

Damit die Mitarbeiter auch abseits der eigenen Werkstatträume hochpräzise arbeiten können, haben Reutter und Schöpf eine spezielle mobile Anlage beschafft, um Fahrzeugscheiben einmessen zu können. Notwendig wird dies freilich nur bei einem Kompletttausch. Für eine Steinschlagreparatur benötige es hingegen in aller Regel nicht einmal eine Werkstatt. Diese könne mit kleinem Aufwand so gut wie immer vor Ort direkt beim Kunden erledigt werden.

Sorgen bereitet den beiden Geschäftsführerinnen derzeit vor allem die Energie- bzw. Gasversorgung. Denn für die Produktion der Fahrzeugscheiben benötigten die Hersteller Gas. Preis und Verfügbarkeit seien deshalb ein großer Unsicherheitsfaktor, zumal auch nicht einfach Lagerkapazitäten aufgebaut werden könnten. Denn alleine für den aktuelle Audi A3 gebe es 36 verschiedene Frontscheibentypen.

Live-Demonstration: Bürgermeisterin Doris Schröter, Helga Brey und Elisabeth Gruber lassen sich von Traudl Reutter und Wintec-Mitarbeiter Florian Tapal (v.r.n.l.) den Einbau einer Frontscheibe zeigen. Foto: Stadtverwaltung
Live-Demonstration: Bürgermeisterin Doris Schröter, Helga Brey und Elisabeth Gruber lassen sich von Traudl Reutter und Wintec-Mitarbeiter Florian Tapal (v.r.n.l.) den Einbau einer Frontscheibe zeigen. Foto: Stadtverwaltung

Unternehmertour führt zur Firma Stadler

Mit der Firma Stadler besuchte Bürgermeisterin Doris Schröter in Begleitung von Vertretern des Gemeinderats und der städtischen Wirtschaftsförderung ein weiteres bekanntes Unternehmen in der Stadt. Rund 5000 Treppen pro Jahr fertigt die Firma, die ihren Firmensitz im historischen ehemaligen Franziskanerkloster, kurz Klösterle hat. Das innhabergeführte Familienunternehmen existiert mittlerweile seit 40 Jahren und hat mit dem neuen Geschäftsführer Patrick Hof den Generationenwechsel erfolgreich eingeleitet.

In Deutschland beschäftigt das Unternehmen rund 100 Mitarbeiter an insgesamt 3 Standorten. Neben der Firmenzentrale in Bad Saulgau, wo rund 25 Mitarbeiter überwiegend im kaufmännischen und planerischen Bereich tätig sind, bestehen Niederlassungen als Produktionsstandorte in Gammertingen und Schleusingen/Thüringen. Zum Unternehmen zählen auch 3 Partnerbetriebe mit einem weiteren Fertigungsbetrieb in Ungarn, sowie Vertriebsgesellschaften in Tschechien und Polen sowie 17 Vertriebsbüros in Deutschland und weitere in Österreich und der Schweiz. Insgesamt sind damit europaweit rund 230 Mitarbeiter für das Unternehmen tätig. Kernkompetenz der Firma sind Innentreppen für Wohnhäuser, sowohl Einzelanfertigungen als auch für Serienobjekte. Die breite Angebotspalette reicht von Stahl-Holz-Treppen über Holztreppen bis zu Designtreppen in vielen Materialien und Formen und in unterschiedlichster, je nach Raumsituation erforderlicher Ausführung. Auch Außentreppen gehören zum Portfolio des Betriebs, zu dessen Kunden auch namhafte Fertighaushersteller und Bauträger gehören.

Aktuell investiert das Unternehmen in den Bau einer neuen Produktionshalle in dem bundesweit sehr zentral gelegenen Standort Schleusingen mit rund 2.500 qm Produktionsfläche, einer Photovoltaikanlage und einer Heizung mit Erdwärme.

Frühzeitig hat das Unternehmen auch den Generationenwechsel eingeleitet: Zum 01.01.2022 wurde der erst 31 Jahre alte Patrick Hof in die Geschäftsführung des Unternehmens berufen. Der gelernte Industriekaufmann und Betriebswirt war vorher bereits lange Jahre Mitarbeiter im Vertrieb und Marketing.

Die Herausforderung, in die Geschäftsführung aufzusteigen, habe er gerne angenommen, so der neue Geschäftsführer. Sorgen bereitet ihm wie anderen Unternehmen auch insbesondere der Fachkräftemangel. An den Produktionsstandorten bildet die Firma Stadler Schlosser und Metallbauer aus und in Bad Saulgau die kaufmännischen Berufe.
Bürgermeisterin Doris Schröter bedankte sich bei Patrick Hof für den informativen und spannenden Einblick in das Unternehmen und wünschte ihm in seiner neuen Tätigkeit viel Erfolg. Ergänzend hob sie das großzügige Engagement des Firmengründers und weiteren Geschäftsführers Bernd Stadler hervor und dankte ihm für seine Unterstützung der Bad Saulgauer Vereine und Stiftungen.

Stadler-Geschäftsführer Patrick Hof (4.v.l.), Bürgermeisterin, Gemeinderat und Wirtschaftsförderung vor der Firmenzentrale. Foto: Stadtverwaltung
Stadler-Geschäftsführer Patrick Hof (4.v.l.), Bürgermeisterin, Gemeinderat und Wirtschaftsförderung vor der Firmenzentrale. Foto: Stadtverwaltung

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