Impulse für den Bad Saulgauer Einzelhandel

Um Herausforderungen und Lösungsansätze für den Bad Sauglauer Einzelhandel drehte am vergangenen Dienstag, 5. Dezember eine gemeinsame Veranstaltung des Handels- und Gewerbeverein „Unser Bad Saulgau“ (UBS) und der städtischen Wirtschaftsförderung.

Eine besondere Rolle dabei spielte die Digitalisierung. Diese sei für sich genommen nichts Verwerfliches, sagte Richard Striegel, I. Beigeordneter der Stadt Bad Saulgau, in seiner Begrüßung. „Aber der Digitalisierungsprozess sorgt dafür, dass sich Kundenverhalten ändert und Anpassungsdruck nicht zuletzt auf den Einzelhandel entsteht“ – eine Aussage, die auch Baykal Ünal, Vorsitzender der UBS-Einzelhandelssparte unterstrich.

Wie der Einzelhandel diesem geänderten Kundenverhalten begegnen kann, dafür machten Ünal, die städtische Wirtschaftsförderin Ilona Boos und Citymarketing-Expertin Angela Nisch im Anschluss eine ganze Reihe an Vorschlägen.

Nisch, die 10 Jahre lang als Citymanagerin im der vielfach als Paradebeispiel für ein funktionierendes Stadtmarketing bemühten Nagold tätig war, machte eines deutlich: Im Zentrum allen Handelns stehen die Kundenwünsche – und diese sind ganz besonders durch die Digitalisierung so ausgeprägt wie noch nie. Der stationäre Einzelhandel müsse dieser Entwicklung begegnen – sowohl online, aber auch mit Stärken, die Einzelhandelsstandorte und Innenstädte vor allem offline ausspielen könnten.

Die größte Stärke des stationären Handels: Service, Beratung und Freundlichkeit – davon ist Ünal überzeugt. „Unsere Kunden sind unsere Freunde. Wenn wir diese Einstellung beherzigen, wird dies auch wahrgenommen und wertgeschätzt“. Die Bad Saulgauer Einzelhändler müssten diese Stärke weiter forcieren, so der Denkanstoß Ünals.

Anstrengungen brächten allerdings nichts, wenn sie Kunden nicht erreichten, so der Einzelhandelsvorsitzende weiter. Gerade beim Thema Öffnungszeiten sieht der Ünal deshalb noch deutlich Luft nach oben, nicht zuletzt bei den Kurgästen. Fast 300.000 Übernachtungen jährlich bedeuten ein großes Kaufkraftpotential. Zeit haben die Patienten der Bad Saulgauer Fachkliniken aber in der Regel am Samstagnachmittag. Der UBS-Ansatz lautet deshalb: Samstag bis 16 Uhr auf! Ein Konzept hierfür hat der UBS-Einzelhandelsvorstand bereits ausgearbeitet und wird in den kommenden Wochen auf die Bad Saulgauer Einzelhändler zugehen.

Ein weiterer zentraler Offline-Baustein sei Einkaufserlebnis. Was Nagold über die vergangenen 20 Jahre hier getan und erreicht habe, zeigte Angela Nisch auf. Die Stadt investiere dort konsequent in die Aufenthaltsqualität im öffentlichen Raum, beispielsweise durch Wasserspiele oder Stadtmöblierung. Hier kündigte Boos für den Jahresbeginn 2019 übrigens bereits erste Schritte an. Gemeinsam mit UBS und Stadtbauamt werde die Wirtschaftsförderung Verbesserungsansätze bei der Gestaltung des öffentlichen Verkehrsraumes ausarbeiten.

Auf der anderen Seite steht in Nagold das sogenannte „City-Commitment“. Die Einzelhändler verpflichten sich darin dazu, die durch die Gestaltung des öffentlichen Bereichs geschaffenen Möglichkeiten auch konsequent zu nutzen. Zu der Selbstverpflichtung gehören unter anderem einheitliche Kernöffnungszeiten (ohne Mittagsschließzeit) sowie ein für alle Geschäfte und Gastronomiebetriebe verbindlicher Gestaltungsleitfaden für das „äußere Erscheinungsbild“.

Auch das Thema Digitalisierung griff Nisch auf. Ihre zentrale Botschaft: Wer erfolgreich sein will, komme auch als stationärer Einzelhändler nicht um die Nutzung des Internets herum. Dabei gehe es nicht so sehr darum, einen online-shop zu betreiben. Aber Multikanalnutzung und hybrides Kaufverhalten sei schlichtweg Realität. Kunden kauften zwar durchaus auch online. Aber vor allem informierten sie sich vor einer Kaufentscheidung, die dann auch im stationären Einzelhandel erfolgen könne, im Internet. Nur wer hier präsent sei, könne auch gefunden werden.

Wirtschaftsförderin Ilona Boos stellte schließlich die Ergebnisse des Bad Saulgauer „online-Barometers“ vor, einer Bestandsaufnahme zum Umfang und zur Qualität der der Online-Auftritte der Bad Saulgauer Einzelhändler. Über 130 Betriebe wurden hierzu unter die Lupe genommen. Das Ergebnis: Rund drei Viertel der Bad Saulgauer Einzelhändler ist im Internet präsent. Bei der Qualität der Online-Auftritte, beispielsweise beim Umfang und der Aufbereitung von Informationen über Produkte, Sortiment, Marken oder Dienstleistungen und vor allem auch beim Einsatz von social-Media-Instrumenten gibt es aber erheblichen Handlungsbedarf – insbesondere wenn Filialisten ausgeklammert und nur regional tätige (inhabergeführte) Einzelhandelsbetriebe betrachtet werden. Die gute Nachricht zum Schluss: Mit geringem Aufwand lassen sich signifikante Verbesserungen erreichen.

Foto: Stadtverwaltung
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