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Rathaus

Dieser stattliche Gebäudekomplex steht an einer geschichtsträchtigen Stelle. Seit der zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts gab es hier ein Frauenkloster. Es wurde gegründet als „Beginenhaus“, in dem Frauen in einer ordensähnlichen Gemeinschaft zusammenlebten. Diese auch „löbliche Sammlung“ genannte Einrichtung wurde ins Leben gerufen von einer „ehrsamen und frommen Witwe“, von der nur der Name „Anna N.“ bekannt ist. Ab 1435 wurde die Sammlung als Franziskanerinnen-Kloster geführt. Durch allerlei Handarbeiten, aber auch durch Bierbrauen und Schnapsbrennen erwirtschafteten sich die Klosterfrauen ihren Unterhalt. Später wurde hier eine Mädchenschule geführt. In den Jahren 1702 wurden das Hauptgebäude, 1764/65 der Nordflügel teils auf der Stadtmauer und 1770 die Kirche (blauer Gebäudeteil) sowie eine freistehende Mädchenschule neu errichtet.

Vom Kloster zum Schul- und Rathaus

Durch Erlass des Kaisers Joseph II. wurden 1782 im Reich die meisten Frauenklöster aufgelöst und deren Vermögen eingezogen. Daher wurden auch hier die Konventsgebäude geräumt und zu wesentlichen Teilen 1784 an die Stadt Saulgau verkauft. Nach Umbau in den Folgejahren verlegte man Kanzlei und Rathaus in das ehemalige Kloster; im Hauptbau und im Seitenflügel wurden wieder Schulräume für Mädchen als auch für Knaben eingerichtet. Die Klosterkirche wurde privat verkauft.

Doch schon kurze Zeit später, 1806, mit dem Übergang an das Königreich Württemberg, änderte sich die Situation erneut: Das nunmehr dritte Rathaus musste bald der Verwaltung des neu gegründeten Oberamts Saulgau weichen.

Vom Rathaus zum Landratsamt und zurück

Mit dem Neubau des zwischenzeitlich vierten Rathauses auf dem Marktplatz waren ab 1820 Stadtverwaltung und Oberamtsverwaltung räumlich getrennt. 1876 wurde eine befahrbare Verbindung zwischen Oberamteistraße und Kaiserstraße hergestellt, das sogenannte „Käsloch“.

1875 verlegte man die Schulräume in die neu errichtete Volksschule in der Schützenstraße, und 1937 schließlich wurden die Scheunengebäude abgebrochen und als Feuerwehrzeughaus neu aufgebaut (heute Stadtmusik). Nachdem durch eine Verwaltungsreform 1938 die Oberämter aufgelöst und Landkreise geschaffen worden waren, kam die gesamte Anlage nach dem Zweiten Weltkrieg in den Besitz des Landkreises Saulgau, der sie 1970 umfassend renovieren ließ. Nach der Kreisreform kaufte die Stadt das Gebäude zurück, in dem sich seit 1974 erneut das Rathaus befindet.

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