Erich und Hilde Fuchs - Wege zur Abstraktion

Die städtische Galerie „Die Fähre“ präsentiert mit der letzten Ausstellung vor ihrem Umzug in ihr neues Domizil nicht nur Werke eines Malers und einer Weberin, sie lässt auch, quasi im Schnelldurchlauf, die Entwicklung der modernen Kunst nach 1945 Revue passieren. Insbesondere begegnet man den verschiedenen Phasen der Abstraktion: Ihren Anfängen in der Geometrie und in der Steigerung der Farbwerte; dem Verschwinden der Figur und dem Auftauchen freier, gegenstandsunabhängiger Formen. Man trifft auf die beiden Hauptströme, die so genannte lyrische und die konstruktive Abstraktion, sowie auf die gestische Malerei des sogenannten Informels, die sich Ende der 50er Jahre auch in Deutschland durchsetzt. Und schließlich ahnt man die Wiederkehr der Figur in den späten 1960er Jahren.

Das Stuttgarter Künstlerpaar Hilde und Erich Fuchs hat die stilistische Entwicklung einer neuen Kunst begleitet. Stuttgart war neben München eines der Zentren der ungegenständlichen Malerei in der Bundesrepublik. In der Nachfolge von Adolf Hölzel hatten Willi Baumeister als Lehrer und der Arzt Ottomar Domnick als Sammler und Propagandist entscheidenden Anteil an ihrer Durchsetzung. 1947 erschien Domnicks Buch über „Die schöpferischen Kräfte der abstrakten Malerei“, im gleichen Jahr veröffentlichte Baumeister seine Thesen über das „Unbekannte in der Kunst“. Abstrakt zu malen, das hieß im kriegszerstörten Deutschland nicht nur einen neuen Stil zu entwickeln, es war ein Bekenntnis zum Humanen und zur Individualität des kreativen Prozesses und stand in deutlicher Abgrenzung zum Kollektiv des Nationalsozialismus.

Erich Fuchs ging den Weg zur Ungegenständlichkeit ausgehend von der Figur, Hilde Fuchs ausgehend von der Landschaft. Anfang der 1950er Jahre setzen sich in ihren Werken freie Formen durch; zum Malerischen tritt das Zeichnerische. Ab Ende der 50er Jahre bestimmen schnelle, impulsiv gesetzte Verläufe den Bildeindruck; das Schwarz übernimmt die aktive Rolle. Mit überraschender Genauigkeit gestaltet Hilde Fuchs den malerischen Prozess des Farbauftrags mit den Mitteln der Webtechnik nach.

Die Ausstellung kontrastiert Wandteppiche von Hilde Fuchs mit Gemälden und Zeichnungen ihres Mannes Erich und macht so die wechselseitige Ergänzung und Inspiration des Künstlerpaares deutlich. Ein halbes Jahrhundert nach dem Aufkommen jener legendären Kunstrevolution werden Aufbruchstimmung und Hoffnungen dieser Jahre in den Werken von Hilde und Erich Fuchs immer noch kraftvoll spürbar und machen eine kunstgeschichtliche Epoche lebendig.


Erich Fuchs
1916 am 16. März in Stuttgart geboren; nach Goldschmiedelehre Besuch der Kunstgewerbeschule Stuttgart
1937-1945 Arbeitsdienst, Wehrdienst, Kriegsdienst
1945 Beginn der künstlerischen Arbeit in Stuttgart
1946-1947 Studium an der Kunstakademie Stuttgart bei Prof. Willi Baumeister; Meisterschüler
1949-1958 Lehrauftrag an der Kunstakademie Stuttgart
1952 Heirat mit Mathilde Hermann
1961 längerer Aufenthalt in Paris
1964-76 Illustration mehrerer Bilderbücher
1970 Graphikerpreis für Bilderbuchillustrationen in Bologna/Italien für „Hier Apollo 11“
1990 gestorben in Stuttgart

Hilde Fuchs
1926 geboren in Laichingen
Besuch der Kunstschulen in Posen und München
Gesellenprüfung, Meisterprüfung
Studium an der Kunstakademie Stuttgart bei Erich Fuchs
1952 Heirat mit Erich Fuchs
2009 gestorben in Stuttgart

Fuchs
 

AndreasRuess

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