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Pressemitteilungen

Laudatio Bürgermeisterin Doris Schröter anlässlich der

Verleihung der Ehrenbürgerschaft an Herrn Georg Reisch

am 7. Januar 2018 im Stadtforum Bad Saulgau

Meine sehr geehrten Damen und Herren,

Besuchern unseres Rathauses fallen insgesamt neun vergoldete Tafeln, die im Eingangsbereich unseres Sitzungssaals angebracht sind, ins Auge. Jede der Tafeln steht für einen Ehrenbürger der Stadt Bad Saulgau – sozusagen unsere Ehrenbürgergalerie.

Künftig wird nun eine neue, zehnte Tafel hinzukommen. Denn der Gemeinderat hat in seiner Sitzung am 23. November vergangenen Jahres beschlossen, Herrn Georg Reisch die Ehrenbürgerschaft zu verleihen.

Das ist etwas ganz besonderes und für mich als Bürgermeisterin eine Ehre diese Würdigung heute vornehmen zu dürfen. Und ich möchte nun unseren neuen Ehrenbürger, Herrn Georg Reisch, sowie seine Frau und seine Familie ganz herzlich bei unserem Empfang willkommen heißen.

Die Gemeindeordnung gibt dem Gemeinderat das Recht, Personen, die sich für die Stadt und das Gemeinwohl besonders verdient gemacht haben, die Ehrenbürgerschaft zu verleihen.

Die Stadt Bad Saulgau hat hiervon, der Bedeutung der Ehrung entsprechend, bisher sehr zurückhaltend Gebrauch gemacht. Georg Conrad Caspar Neidlein war 1848 die erste Person, der dieses Privileg zuteil wurde. In den 170 Jahren, die seitdem vergangen sind, hat die Stadt Bad Saulgau die Ehrenbürgerschaft lediglich acht weiteren Personen verliehen, zuletzt Walter Knoll im Jahr 2003.

Die Verleihung der Ehrenbürgerrechte begründet weder besondere Rechte

noch befreit sie von den gemeindebürgerrechtlichen Pflichten. Die

Ehrenbürgerrechte symbolisieren das, was gerade in unserer vielfältig von

privatem Eigennutz und Selbstsucht geprägten Zeit nicht als gering

eingeschätzt werden sollte: Dank und Anerkennung für vorbildliche, beispielhafte und herausragende Verdienste um das Gemeinwohl.

Dass Sie, lieber Georg Reisch, diese Ehrung verdienen, daran hat es für uns, d.h. für Gemeinderat und die Stadtverwaltung, nicht den geringsten Zweifel gegeben, angesichts Ihre Verdienste für die Stadt Bad Saulgau und der Menschen, die hier leben und arbeiten. Dennoch möchte ich anlässlich des heutigen Festaktes ganz deutlich sagen, was die Bad Saulgauer an Ihnen so schätzen - nicht nur weil es sich so gehört, sondern auch weil es mir auch ein persönliches Anliegen ist.

Sehr geehrte Damen und Herren,

es ist nun nicht Voraussetzung für den Erhalt der Ehrenbürgerwürde, überhaupt ein Bürger der verleihenden Gemeinde zu sein. Sie ist unabhängig von der Herkunft des Geehrten. Maßgeblich ist, wie bereits erwähnt, ein Verdienst um die jeweilige Stadt bzw. Gemeinde.


Auf Georg Reisch trifft jedoch beides zu. Er ist 1938 in Bad Saulgau geboren, feiert also heuer seinen 80. Geburtstag. Sozusagen ein Sulgemer durch und durch, der Zeit seines Lebens seiner Heimatstadt treu ist.

Eine große Verbundenheit zur Heimat alleine reicht noch keinesfalls für den Erhalt der Ehrenbürgerwürde. Wenn sich aber diese Heimatverbundenheit, die Liebe zur Heimat, ganz im Wirken so widerspiegelt wie Im Falle von Georg Reisch, dann ist das sehr wohl ein Grund für eine besondere Würdigung.

Bekannt ist sicherlich, dass Georg Reisch unternehmerisch in die Fußstapfen seines Vaters getreten ist. Gegründet wurde das Bauunternehmen von Georg Reisch senior im Mai 1933. Ihm gelang es damals, trotz seiner Distanz zum NS-Regime und den anschließenden schwierigen Nachkriegsjahren, ein florierendes Bauunternehmen aufzubauen.

1970 übernahm dann Georg Reisch (junior) die Geschäftsleitung. Ab 1972 trug er nach dem unerwarteten Tod seines Vaters allzu plötzlich die alleinige Verantwortung.

Viele von Ihnen werden sich an die 1970er Jahre zurückerinnern als eine Zeit, in der es nach dem Aufschwung im Wirtschaftswunderland Deutschland zu Turbulenzen kam. Bereits in 1972/1973 traf der erste Ölpreisschock unsere Republik. Auch wenn es heute, in den Jahren, in dem vor allem auch die Bauindustrie geradezu boom, manchmal nur sehr schwer vorstellbar sein mag, waren die Zeiten für Bauunternehmen Anfang der 1970er Jahre für rund 3 Jahrzehnte alles andere als rosig.

Mit sicherer und ruhiger Hand gelang es Georg Reisch dennoch, die Entwicklung seines Unternehmens nicht nur stabil zu halten, sondern mit innovativen Ansätzen und Vorgehensweisen sogar die Wettbewerbsfähigkeit zu erhöhen. Früher als viele Mitbewerber erkannte der Unternehmer die Potentiale, die in Maßnahmen wie schlüsselfertigem Bauen, Investoren- und Bauträgermodelle und ÖPP-Modellen, also der vertraglich geregelte Zusammenarbeit zwischen öffentlicher Hand und Unternehmen der Privatwirtschaft, stecken.

Schritt für Schritt entwickelte sich die Fa. Reisch unter der Führung von Georg Reisch weiter, bis 1993 dann schließlich der Umzug vom bisherigen Firmengelände in der Klosterstraße auf das neue Betriebsgelände zwischen Herbertinger Straße und Schwarzachstraße erfolgte.

Mittlerweile, seit 1998, leiten mit Hans-Jörg und Andreas Reisch seine zwei Söhne das Unternehmen. Ein Unternehmen, das zusammen mit seinen Töchtern und Ablegern zu den größten und leistungsstärksten Unternehmen nicht nur in Bad Saulgau, sondern dem Landkreis und der Region gehört. Die Schwäbische Zeitung hat gerade erst von einem „Ritterschlag“ gesprochen, weil – ich habe dies vorhin auch bereits erwähnt - das Unternehmen den Zuschlag für den Bau des Volkstheaters in München, ein 130 Mio. Euro-Vorhaben, erhalten hat.


Solche Erfolge sind nur möglich weil Sie, lieber Herr Reisch, das sprichwörtliche und oft zitierte „wohl bestellte Feld“ an Ihre Nachfolger übergeben haben, einen wirtschaftlich prosperierenden, hervorragend aufgestellten Betrieb.

Auch die Art und Weise, wie ein solches Unternehmen geführt wird, kann sehr unterschiedlich sein. Auch aus dieser Perspektive gehört die Fa. Reisch zu den besten. Denn im Handeln, das Georg Reisch während seiner Zeit als Chef an den Tag gelegt hat, spiegelt sich ein ganz hohes Maß an Verantwortung wider. Verantwortung nicht so sehr für einen schnellen wirtschaftlichen Erfolg des Unternehmens, sondern für nachhaltiges Unternehmertum, langfristige Wettbewerbsfähigkeit und Verantwortung für die Mitarbeiter und deren Familien und Existenzen.

Und Sie haben dieses Unternehmertum, die Einstellung, dass ein solches Unternehmen auch ein hohes Maß an Verantwortung bedeutet und vor allem die Verbundenheit mit Bad Saulgau an Ihre Kinder weitergegeben.

Es wäre eine Riesenfleißarbeit zu ermitteln, wie viele Menschen das Bauunternehmen Reisch über all die Jahre beschäftigt und den Lebensunterhalt gewährleistet hat, und wieviel Gewerbesteuern die Stadt Bad Saulgau erhalten hat, und wie groß die Wertschöpfung hier in Bad Saulgau zusammen mit vor- und nachgelagerten Aufträgen insgesamt war. Es würden sicherlich enorme Zahlen und Werte dabei herauskommen.

Und ich bin mir sicher bzw. kann es für meine Amtszeit mit Bestimmtheit sagen, dass ganz viel Stadtentwicklung in Bad Saulgau in den vergangenen Jahrzehnten in Bad Saulgau nur deshalb stattgefunden hat, weil das Bauunternehmen Reisch hier beheimatet ist. Von vielen Projekten, einzelnen Immobilien bis hin zu ganzen Quartieren, hätten wohl solche Bauunternehmen und Investoren, die einzig Profitmöglichkeiten im Blick haben, die Finger gelassen.

Natürlich musste und muss ein Unternehmen vor allem auch nach wirtschaftlichen Gesichtspunkten arbeiten. Bei vielem, was die Firma Reisch während Ihrer Zeit, Herr Reisch, und auch aktuell, hier in Bad Saulgau angepackt hat, kommen mindestens noch weitere Faktoren hinzu. Den Standort Bad Saulgau voran zu bringen, der Heimatstadt und damit auch den Bürgerinnen und Bürgern etwas Gutes zu tun waren sicherlich mehr als nur einmal ebenfalls Entscheidungskriterien.

Zwei solche Beispiele sind die Wohnbauentwicklungen im Bereich der Klosterstraße, also auf dem ehemaligen Betriebsgelände der Fa. Reisch und im Bereich Lindenstraße/Schillerstraße. Für beide Flächen hat Georg Reisch sich dazu entschlossen, nicht das zu realisieren, was am lukrativsten war, sondern was in Bad Saulgau am dringendsten benötigt wurde, nämlich bezahlbaren Wohnraum, der teilweise als Sozialwohnungen vorgehalten wird.

Ein ganz prominentestes Beispiel dürfte unsere Sonnenhof-Therme sein. Die Einweihung unseres wahrscheinlich bekanntesten Bauwerks ist mittlerweile 34 Jahre her. Vielleicht erinnern sich aber einige von Ihnen dennoch daran, dass das Projekt Sonnenhof-Therme zwar eine große Vision war, die zum Glück dann auch Wirklichkeit wurde – aber dass das Gelingen des Vorhabens auch auf Messers Schneide gestanden ist. Ursprüngliche Entwurfsplanungen des Züricher Bäderarchitekten Glaus sahen nämlich eine Überschreitung des gesetzten Kostenrahmens von 8 Mio. DM um fast 100% vor.

Erst nachdem Georg Reisch dann ein deutlich günstigeres Angebot von 10,4 Mio. DM für ein schlüsselfertig erstelltes Bad mit nur geringen Abstrichen gegenüber der ursprünglichen Planung und unter Zusicherung des Kostenziels, der Fertigstellungstermins und der kompletten Bauabwicklung zusicherte, konnte die Sonnenhof-Therme Realität werden. Die Entscheidung, am Bieterverfahren zu diesen Konditionen teilzunehmen ist umso beachtlicher, weil die Fa. Reisch damals noch keinerlei Erfahrungen mit vergleichbaren Projekten hatte.

Es ist immer müßig zu hinterfragen: Was wäre wenn. Aber klar ist, die Stadt konnte die Therme unter diesen Bedingungen realisieren und hat sich dadurch zu dem entwickelt was sie heute ist.

Georg Reisch ist ein erfolgreicher Unternehmer. Sein Unternehmen hat in unserer Stadt schöne Architektur und bleibende Werte geschaffen. Es hat über Jahrzehnte bis heute unzähligen Menschen Arbeit und damit einen entscheidenden Teil ihrer Lebensgrundlage geschaffen. Für Bad Saulgau ist das Familienunternehmen Reisch eines der Fundamente auf dem unsere wirtschaftliche und soziale Leistungsfähigkeit beruht. Und es strahlt weit über unsere Gemarkungsgrenzen hinaus und ist so auch Werbebotschafter für unsere Stadt.
Georg Reisch ist bei alle dem immer dem Grundsatz treu geblieben, dass Vermögen auch Verantwortung mit sich bringt, wahrscheinlich mehr als viele von uns dies wissen. Auch die großzügige Unterstützung von Vereinen und Einrichtungen gehört dazu. Dabei war es ihm nie wichtig, seine Großzügigkeit an die große Glocke zu hängen.

Georg Reisch ist trotz seines Erfolges eine Persönlichkeit geblieben, die einem auf Augenhöhe begegnet. Ich habe dies selbst vom ersten Tag an so erfahren und ebenso schätzen gelernt wie seine ruhige und souveräne Art.

Lieber Herr Reisch, danke für Ihr das was Sie für Ihre Heimatstadt bewirkt haben. Wenn die Gemeindeordnung dem Gemeinderat das Recht gibt, Personen, die sich für die Stadt und das Gemeinwohl besonders verdient gemacht haben, die Ehrenbürgerschaft zu verleihen, dann meint sie damit Menschen wie Sie.

Und ich darf Ihnen im zu dieser Auszeichnung von ganzem Herzen gratulieren.

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