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Umwelt / Natur und Landschaft, Biotopanlagen
Biotope in Bad Saulgau - Seite 1

   
  
Aus den Storchennestern Bad Saulgau und Moosheim

Störche

                                                             Foto: Sick

2011 gab's drei Jungstörche in Bad Saulgau und drei in Moosheim

Sechs Jungstörche aus zwei Horsten ist ein außergewöhnlich überdurchschnittliches Ergebnis.

Zum Werdegang unserer Jungstörche 2011:

Am Donnerstag, 21. April 2011 schlüpfte im Horst der St. Johanneskirche der erste Jungstorch. Eine Woche später waren fünf muntere Küken im Nest und reckten ihre Hälse nach Futter. Auf einem Bildschirm im Schaufenster des Elektrogeschäftes Buck auf dem Marktplatz sowie im Stadtmuseum können die Störche beobachtet werden. Durchschnittlich sind in den letzten 60 Jahren weniger als zwei Junge flügge geworden. In den letzten 10 Jahren war die Erfolgsquote jedoch meist etwas höher. Die Trockenheit im Frühjahr erleichterte die Futtersuche nicht gerade. Würmer verkrochen sich tief im Boden, die Störche mussten sich deshalb mehr auf die Suche nach Insekten, Käfern, Mäusen und Fröschen konzentrieren. Die Bad Saulgauer Störche suchen vornehmlich im südlichen Schwarzachtal, im Bereich der Kernstadtentlastungsstraße und im Sießener Tal ihre Nahrung, die Moosheimer Störche im nördlichen Schwarzachtal und in den Feuchtwiesen Moosheim/Tissen. Überall dort wurde mit Renaturierungsmaßnahmen die Nahrungsgebiete für unsere Störche verbessert.

Auf beiden Horsten überlebten jeweils stolze drei Küken, ein überdurchschnittlicher Wert. Während die Jungstörche in der Regel nach Afrika fliegen und dort ca. 1,5 Jahre bis zur Geschlechtsreife verharren, bleiben die Bad Saulgauer Altstörche da. Die Moosheimer Altstörche dagegen fliegen ebenfalls wie ihre Jungen gen Süden.

Das Moosheimer Storchenpaar ist Ende Februar 2012 wieder aus seinem Winterquartier zurückgekehrt und das Bad Saulgauer Nest war wie gewohnt, fast den ganzen Winter über bewohnt. Sind wir gespannt auf den Bruterfolg in diesem Jahr.

Biotope (Lebensräume) in Bad Saulgau

Gewässer, Feuchtwiesen, Trockenrasen                  (Fotos: Lehenherr)

Fließgewässer

Naturnahe Fließgewässer sind zusammen mit Stillgewässern und ihren Einzugsbereichen die wichtigsten und artenreichsten Biotope über-haupt, die entscheidend zum ökologischen Gleichgewicht beitragen
und ständig mit dem Grundwasser in Wechselwirkung stehen.
Bad Saulgau besitzt knapp 60 Kilometer Fließgewässer, für deren Unterhaltung und Gestaltung sie zuständig ist. Der größte Bach Bad Saulgaus ist die Schwarzach, wunderschön gelegen nordwestlich der Kernstadt im Siebenmühlental. Die meisten dieser Bäche wurde im letzten Jahrhundert begradigt, verschalt oder gar verrohrt. Anfang der 90er Jahre hat nun die Stadt damit begonnen, diese Gewässer nach und nach zu renaturieren. Eine Aufgabe, die viele Jahrzehnte in Anspruch nehmen wird. Mehrere Kilometer sind bereits renaturiert und die Gewässergüte verbesserte sich, die Selbstreinigungskraft stieg und unzählige ans Wasser gebundene Pflanzen- und Tierarten konnten wieder Fuß fassen.

Bachrenaturierung: vorher
Bachrenaturierung: vorher
Bachrenaturierung: nachher
Bachrenaturierung: nachher
Bild:
Bachrenaturierung Friedberg
Im Jahre 2001-2002 wurde der großteils begradigte und verschalte Frieberger Bach auf einer Länge von 2 Kilometer renaturiert. Die dazu nötigen Flächen konnte die Stadt im Rahmen der Flurneuordnung erwerben.
Krähbachtal vor Renaturierung Krähbachtal nach Renaturierung
Renaturierung des Krähbachs bei Fulgenstadt
Bad Saulgauer Realschule hilft
Das linke Foto zeigt das Krähbachtal im Jahre 1999 (von Süden) vor der Renaturierung mit intensiv genutzten landwirtschaftliche Grünlandflächen, das rechte Foto zeigt das Tal aus gleicher Perspektive im Jahr 2005 mit Feuchtbiotopen und einzelnen Gehölzgruppen.

Junge

Mäandern
In diesen Mäandern fließt jetzt der renaturierte Krähbach, der zuvor fast schnurgerade durch das Tal "schoss".

Schüler der Klasse 8 der Realschule Bad Saulgau haben bei der Planung der Renaturierung des Krähbachtals bei Fulgenstadt sowie
bei der Umsetzung im November 2003 mitgewirkt. Die Schüler dokumentieren im Rahmen ihres Biologieunterrichts über das ganze Schuljahr die ökologische Entwicklung des jetzt naturnahen Gewässers mit dessen Einzugsbereich.

Bei diesem Projekt haben Schüler, die Aktion „Lebendige Donau“ der Deutschen Umwelthilfe, BUND, Landwirtschaft und die Stadt an einem Strang gezogen.

Mit der Pflanzung von zahlreichen standortgerechten Bachbegleit-gehölzen durch 26 Achtklässler wurde der bauliche Teil abge-schlossen. Der ehemals fast schnurgerade verlaufende Bach wurde kurvig angelegt, es wurden vielfältige Strukturen mit tieferen, flacheren, schnell und langsam fließenden Bereichen geschaffen. Ein ebenfalls neu ausgebaggerter etwa 300 Quadratmeter großer Tümpel komplettiert die Biotopanlage. Sebastian Osswald von der Aktion „Lebendige Donau“ und der städtische Umweltbeauftragte Thomas Lehenherr übernahmen dabei federführend die Bauleitung.

Die Renaturierungskosten konnten über eine Sammelaktion der Schüler sowie über deren Antrag bei der Ottostiftung und eine Spende des Landschaftsbauunternehmens voll gedeckt werden.

In den letzten Jahren wurde das Krähbachtal oberhalb der neu gestalteten Fläche von der Stadt in Zusammenarbeit mit Landwirten
in eine wahre Biotoplandschaft mit zahlreichen Tümpeln und Feucht-wiesenflächen umgestaltet. Die Biotopanlage ist inzwischen zu einem Eldorado für seltene einheimische Tiere und Pflanzen gewachsen und zu einem beliebten Naherholungsziel für Naturfreunde geworden. Die Anlage wird wie auch die neue Anlage von ortsansässigen Landwirten gepflegt.

Renaturierung der Schwarzach 2004 / 2005
Größtes Projekt im Landkreis                                   Fotos: Lehenherr
Schwarzachrenaturierung Schüler

Realschüler der Klasse 8 bei der Bepflanzung des Schwarzachufers
der Umgehung bei der Lindenmühle

Mehr als 100 Schüler und Lehrer der Brechenmacher-, Erich-Kästner-, Real- sowie der Abendrealschule Bad Saulgau und andere Helfer waren am Donnerstagnachmittag, 28. Oktober 2004 im Siebenmühlental auf den Beinen, um der Renaturierung von Bad Saulgaus größtem Fließgewässer durch die Bepflanzung der Ufer den letzten Schliff zu geben. Die Gemeinschaftsaktion fand im Rahmen des städtischen Konzeptes gegen Vandalismus und wilde Müllablagerungen statt und fand bei den Schülern, der Öffentlichkeit und den Medien großes Interesse.

Schwarzachrenaturierung Hauptschule

Schüler der Brechenmacher-Schule am Schwarzachufer mit Baumpfählen "bewaffnet". Diplom-Biologe Josef Grom gibt Anweisungen und erklärt den Sinn der Renatuierung.

Auf einer Länge von 2,3 Kilometern zwischen der Esels- und der ehemaligen Dotschenmühle teilten sich die freiwilligen Helfer in drei Gruppen auf und wurden von Fachpersonal über die Hintergründe und die Vorgehensweise der Renaturierung informiert. Die Schüler pflanzten die vom städtischen Umweltbeauftragten und der Stadtgärtnerei sowie dem Biologen Josef Grom vorher ausgelegten gut 300 Gehölze, schlugen Pfähle ein und banden die Bäume an den Pfählen fest. Schüler wie Lehrer waren am Ende der Aktion stolz, bei der Rückführung der kanalisierten Schwarzach in einen naturnahen Zustand mitgewirkt zu haben und kündigten ihre Bereitschaft an, bei weiteren Aktionen dabei zu sein. Die Erich-Kästner-Schule führte z.B. am 18. November 2004 in Zusammenarbeit mit der Stadt die große Bad Saulgauer Stadtputzete durch. Auch die Realschule ist regelmäßig zweimal im Jahr bei Renaturierungsaktionen (z.B. Krähbachtal bei Fulgenstadt) oder Aufräumaktionen mit von der Partie, ebenso die Brechenmacher-Schule.

Die naturnahe Umgestaltung der Schwarzach zwischen der Esels- und der Dotschenmühle ist abgeschlossen. Im Bereich der Neumühle wurde im November 2004 auf städtischem Gelände noch ein größerer Tümpel ausgebaggert und im Winter 2004/2005 wurden die übrig gebliebenen Erdmieten von Landwirten abgeholt.

Nachfolgend eine kurze Zusammenfassung der wichtigsten Maßnahmen

Die Sohlpflasterung aus Kalksteinen wurde ausgebaut. Sämtliche künstliche Uferbefestigung, wie z.B. Rasengittersteine (auf 1 km Länge) wurden entfernt. An der Franzenmühle und an der Lindenmühle wurde durch die Schaffung von zwei Umgehungen die Durchgängigkeit der Schwarzach wieder hergestellt. Diese war dort durch Wehre unterbrochen. Zahlreiche Mäander zur Schaffung unterschiedlicher Strömungsverhältnisse und unterschiedlicher Tiefen für vielfältige Gewässerflora und –fauna wurden angelegt. Buhnen aus Nagelfluhfelsen wurden quer zur Fließrichtung angelegt und die Ufergrasnarbe punktuell aufgerissen zur Initiierung von Mäandern. Zudem wurden mehrere Totarme zur Schaffung von Ruhezonen hergestellt. Neben der gruppenweisen Bepflanzung der Ufer mit vor allem Erlen und auch Eschen, Stieleichen, Traubenkirschen, wurden extensiv zu pflegende Gewässerrandstreifen entlang der gesamten Renaturierungsstrecke angelegt.

Gründe und Nutzen der Renaturierung

Die Europäische Wasserrahmenrichtlinie schreibt vor, sämtliche Gewässer bis zum Jahr 2015 in einen naturnahen Zustand überzuführen. Mit dieser Maßnahme hat die Stadt dieser Pflicht auf den 2,3 Kilometern der Schwarzach bereits Rechnung getragen.

Renaturierung ist durch die Verlängerung der Fließstrecke und durch die Schaffung von Rückhalteräumen zugleich Hochwasserschutz, da mehr Oberflächenwasser durch Erschließungen von Baugebieten abgeleitet wird.

Die naturnahe Umgestaltung führt zu einer größeren Selbstreinigungskraft des Gewässers und stellt damit eine entscheidende Grund- und Trinkwasserschutzmaßnahme dar.

Bereits jetzt haben sich viele seltene Vogelarten wie Eisvogel, Gebirgsstelze und Wasseramsel eingefunden.

Kosten

Die Baumaßnahme kostet mit Pflanzarbeiten rund 60.000,- €, davon werden 70 % vom Land Baden-Württemberg bezuschusst. Auch die Ingenieurkosten werden bezuschusst.

Die städtische Maßnahme war nur möglich auf Grund der konstruktiven Mitarbeit folgender Behörden, Einrichtungen und Personen:

Amt für Flurneuordnung Ravensburg, Teilnehmergemeinschaft der Flurbereinigung Moosheim, betroffene Landwirtschaft und Mühlenbesitzer, Ingenieurbüros Schwörer und Grom aus Altheim, Gewässerdirektion Donau Bodensee in Riedlingen, Landratsamte Sigmaringen, verschiedene Naturschutzorganisationen, städtischer Bauhof, angeführte Schulen sowie der sehr flexible Auftragnehmer.  

Viele Führungen im Schwarzachtal

Die Renaturierung der Schwarzach ist inzwischen weit über die Region bekannt und stößt bei vielen Naturschutzgruppierungen, Landkreisen, Gemeinden oder anderen Organisationen auf großes Interesse, so dass vom städtischen Umweltbeauftragten bereits sehr viele Führungen entlang der renaturierten Strecke durchgeführt worden sind. Auch für dieses Jahr ist der Terminkalender wieder fast voll.

  

Schwarzach Naturschutzwarte

Auch die ehrenamtlichen Naturschutzwarte des Landkreises waren beeindruckt von der Renaturierung der Schwarzach

Foto: Stadtverwaltung

 

Schwarzachrenaturierung jetzt auch in Buchfom: RP entwirft Beispielbroschüre

Schwarzach

Die Schwarzachrenaturierung in aller Munde! Das Regierungspräsidium Tübingen wählte erfreulicherweise die naturnahe Umgestaltung der Schwarzach zwischen der Esels- und der Dotschenmühle als Beispielobjekt aus und verfasste darüber eine Broschüre. Das Heft soll allen Gemeinden und ökologisch ausgerichteten Institutionen im Regierungsbezirk als Leitfaden zur kosteneffizienten und ökologisch ausgereiften Umsetzung der europäischen Wasserrahmenrichtlinie dienen. Die Richtlinie schreibt vor, bis zu Jahre 2015 alle Hauptfließgewässer und Nebengewässer mit einem Einzugsgebiet von mindestens zehn Quadratkilometern in einen guten ökologischen Zustand überzuführen. Eine Verlängerung dieser Frist ist möglich.

Die Beispielbroschüre wurde und wird im Rahmen von öffentlichen Informationsveranstaltungen in Tübingen, Ravensburg, Sigmaringen und anderen Städten an Gemeinden, Naturschutzverbände, Vereine und andere Interessierte verteilt.

Von 2004 bis 2005 wurden sämtliche unnatürliche Sohl- und Uferverbauungen der Schwarzach entfernt, der Verlauf wurde kurvig angelegt, Hunderte von Gehölzen wurden gepflanzt, naturnahe Gewässerrandstreifen wurden geschaffen. Bei dem städtischen Projektwirkten auch die Brechenmacher-, die Real- und die Erich Kästner-Schule mit. Sowohl der Grunderwerb als auch die Maßnahme wurden vom Land Baden-Württemberg mit 70 % bezuschusst.

 

Der Eisvogel findet sich an der Schwarzach ein

Eisvogelwand Schwarzach

                                                     Foto: Lehenherr

Für die renaturierte Strecke wurden im Abstand von zwei Kilometern zwei Eisvogelbrutwände mit sandgefüllten Brutkanälen entworfen und aufgestellt. Ende 2006 wurden bereits Eisvögel auf den Sitzstangen neben der Brutwand bei der ehemaligen Dotschenmühle (Bild) gesichtet. Die andere Brutwand ist zwischen Eselsmühle und Riedsäge aufgestellt. Beide Wände sind auch für Naturfreunde und Wanderer gut einsehbar und beschildert. Man sollte sich allerdings in einiger Entfernung aufhalten und ruhig beobachten.

Auch für die Wasseramseln wurden drei überdachte Bruthilfen an geeigneten Stellen in die Schwarzach eingebaut.

Stillgewässer                                                      Fotos: Lehenherr
Die größten Weiher unserer Gemeinde sind der Wagenhauser Weiher (auch Badesee) mit knapp 6 Hektar Größe sowie der Zeller Weiher mit 1 Hektar. Des Weiteren wurden auf Initiative der Stadt nahezu 100 kleinere und größere Tümpel in den letzten Jahren geschaffen, zum Teil auf Privat-, zum Teil auf öffentlichem Gelände. Libellen, Amphibien, Singvögel und auch unser Weißstorchenpaar profitieren davon. Die Tümpel sind häufig integriert in größere, neu geschaffene Biotopanlagen wie in Großtissen, in Fulgenstadt oder in Bolstern.
Biotopanlage Biotopanlage
Bild: Ein Tümpel der 1995-1997 geschaffenen etwa 7 Hektar großen städtischen Biotopanlage zwischen Groß- und Kleintissen. Kaum zu glauben, dass genau auf dieser Fläche vorher intensive Landwirtschaft betrieben wurde. Bild: Ein Tümpel der 2001-2002 von der Stadt und privater Hand gebauten etwa 3,5 Hektar großen Biotopanlage im Krähbachtal in Fulgenstadt. Auch diese Fläche wurde vorher intensiv bewirt-schaftet.
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